Aus Kapitel 24: Ökosystem und Nahrung
Hier wie dort stehen wir vor der Aufgabe, mit Ressourcen und Müll richtig umzugehen.Wie innerhalb des menschlichen Organismus und aller seiner Untersysteme ist es auch in den höheren Bereichen der Schichtung das Problem von Verwertung und Ausscheidung. Ein anschauliches Beispiel ist der Export von allgemeinem Abfall und ganz besonders der von Atom-Müll in fremde Länder zur „Endlagerung“.
Der einzelne Mensch hat es in gewissem Sinne leichter, seine pathogenen Schlacken auszuleiten, er muß sich dabei kaum Gedanken um seine Umgebung machen. Schon etwas schwieriger wird es auf der nächsthöheren Ebene mit dem Haushaltsmüll. Je höher jedoch das betreffende System in der Schichtung angeordnet ist, etwa eine Fabrik, eine Stadt oder ein ganzes Land, desto problematischer wird die Lage, denn wir kommen immer mehr in die obersten Bereiche unseres irdischen Ökosystems.
Da wir auf den höheren Ebenen unserer Welt nicht beliebig ausleiten können, verschärft sich die Problematik insofern, als wir Müll und Zerstörung möglichst vermeiden müssen. Das Problem der Gesundheit unserer Erde ist damit noch deutlicher als ein quantitatives Problem erkennbar. Das ist, hier wie auf der Ebene des Individuums, eine Frage des Maßes, der Diätetik im ursprünglichen Sinn als gesunde Lebensführung.
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Jedes System der Natur existiert nur durch Wechselwirkung (s. Kap. 8.2, Satz 8.20), durch ein Ab und Auf des vertikalen Informationsstromes, mit einer von Null verschiedenen Entropie-bilanz (s. Kap. 8.5). Das ist schon die allgemeinste Formulierung des Stoffwechselprinzips, das gemäß der Schichtungsinvarianz auf allen Ebenen der Schichtung in gleicher Weise gilt. Etwas konkreter kann man es so ausdrücken (Satz 16.1):
Jedes Lebewesen nimmt irgendwelche Stoffe auf und scheidet andere Stoffe aus derart, daß die aufgenommenen Stoffe, konventionell quantitativ betrachtet, höhere Information (Ordnung, Struktur, Energie) besitzen als die ausgeschiedenen, es nimmt also mehr Information auf, als es abgibt. Über den Informationsgehalt des Lebewesens selbst ist damit nichts gesagt, sondern nur darüber, daß dieses damit Gelegenheit erhält, den Überschuß an aufgenommener Information zum Aufbau seiner eigenen Struktur zu verwenden. Dazu gehören auch seine Handlungen, als zeitliche Veränderung derselben. Dieser Lebensprozeß bedeutet, daß jedes Lebewesen aus seiner Umgebung negative Entropie bezieht, also in seiner Umgebung positive Entropie erzeugt (Satz 8.38).
Hinsichtlich der Verwendung des Entropie-Begriffes in solchen Zusammenhängen möchte ich grundsätzlich feststellen: Entropie ist kein ontisch reales Ding, sondern nur ein abstrakter Begriff, der zur formalen Beschreibung der informativen Zusammenhänge von Ordnung, Struktur, Irreversibilität und (innerer, natürlicher) Zeit geschaffen worden ist, wie sie bei allen technischen und natürlichen Prozessen, und damit auch bei allen Stoffwechsel- und Umweltproblemen eine Rolle spielen. Zu diesen Bezügen eignet sich aber der Entropiebegriff in der denkbar besten Weise, denn über ihn können alle relevanten Faktoren auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden (s. auch Kap. 8.5). Das alles müssen wir immer bei dem Wort „Entropie“ bedenken, wenn ich dieses gebrauche.
In einem abgeschlossenen System muß die Entropie, wie es der zweite Hauptsatz der Thermodynamik ausdrückt, stets zunehmen. Unsere Welt ist zwar, wie ausnahmslos alles in der Natur (s. Satz 8.8), nicht ganz, aber doch bis zu einem gewissen Grad als abgeschlossen zu betrachten, und das bedeutet unter gewissen Bedingungen ein allmähliches Absterben (Entropietod, Wärmetod oder schlicht Gleichgewichtstod), die Auflösung von Struktur und Ordnung.
Für biologische Prozesse wird zwar die Gültigkeit dieses Satzes oft angezweifelt, indem man feststellt, daß auch Entropie-Erniedrigung möglich ist und daß Entropie-Erhöhung nicht nur Struktur-Auflösung bedeute, sondern auch mit dem Aufbau von Struktur vereinbar sei. Darin liegen jedoch einige Mißverständnisse, die darauf zurückzuführen sind, daß man nicht die Schichtung der Natur berücksichtigt und damit auch nicht zwischen jeweiligem Inneren und Äußeren der Systeme unterscheidet.
Struktur-Aufbau eines Systems ist im Innern desselben stets mit einer Entropie-Erniedrigung verbunden. Diese erfolgt dadurch, daß Entropie in die äußere Umgebung exportiert wird, und dort erfolgt die Erhöhung der Entropie, d.h. im übergeordneten System. In diese Zusammen-hänge hat vor allem I. Prigogine Klarheit gebracht mit dem von ihm beschriebenen Prinzip des Entropie-Exports von innen nach außen (s.Kap. 8.5).
Es ist auch zu beachten, daß aus der Perspektive ein und desselben Systems gesehen – bei solchen Betrachtungen ist immer das Bezugssystem wichtig! – Entropie zwar erzeugt, aber niemals vernichtet, sondern nur verschoben (exportiert) werden kann. Das hängt mit der Asymmetrie des vertikalen Informationsstromes (s. Kap. 8.3, 8.5 u. 11) zusammen. Darin liegt andererseits auch die Irreversibilität aller Naturvorgänge begründet und die tragische Bedeutung des zweiten Hauptsatzes.
Dieser Satz kommt aber zunächst insofern kaum zum Zug, als die Natur ihre Prozesse in höchst effizienten Kreisläufen organisiert. Von diesen interessiert uns hier vor allem der in der Nahrungskette, die man grob durch die Folge „Mineralien – Pflanze – Pflanzenfresser – Raubtier und Mensch“ beschreiben kann. Im allgemeinen ernährt sich jedes Lebewesen von solchen einer tieferen Stufe. Der Kreislauf besteht darin, daß die relativ zur aufgenommenen Nahrung hochentropischen Ausscheidungen (s. oben: Export) von den Lebewesen einer tieferen Stufe wieder verwertet werden. (NB: Unter „Stufe“ ist hier nicht eine Ebene in der Schichtung gemeint, sondern die Stellung in der Nahrungskette.) Dadurch wird die Entropie-Entwicklung in der jeweiligen Umgebung minimiert. Überdies kann noch ein gewisser Teil der Restentropie in jeweils höhere Systeme der Schichtung exportiert werden. Von einem Wärmetod unserer Erde oder auch des Universums, dessen höchste Schichten wir nicht einmal ahnen können, kann also in diesem Falle, zumindest in überschaubarer Zeit, gar keine Rede sein.
Völlig anders sind jedoch die Verhältnisse, wie sie der Mensch mit seinen technischen Eingriffen in die Natur bewirkt. In ungleich größerem Ausmaß erzeugt er Entropie. Hier machen sich die vielen Unbekannten des technologischen Zirkels bemerkbar!
Die durch den Menschen erzeugte Entropie kann man in die zwei Komponenten gliedern:
- Verbrauchen und hierbei Verlust von Energie
- Erzeugung von materiellem Müll.
Es ist allgemein bekannt, daß der Wirkungsgrad technischer Prozesse weit unter dem der entsprechenden natürlichen Prozesse liegt. Damit geht im Gegensatz zu den letzteren ein nicht mehr zu vernachlässigender Anteil von Energie verloren und wird Entropie schon in ihrer klassischen Clausiusschen Bedeutung erzeugt.
Der materielle Müll, der sowohl direkt bei Produktion und Transport (materielle Abfälle, Verschmutzung von Luft, Wasser und Erde), als auch indirekt über die erzeugten Produkte selbst anfällt, die ja ihrerseits nach einer gewissen Zeit zum Müll wandern, ist eine ganz spezifisch menschliche Erscheinung, die Natur produziert so gut wie keinen Müll. Dieser Müll kann als ein recht direktes Maß für die Zerstörungswirkung des technologischen Zirkels betrachtet werden.
Beim menschlichen Stoffwechsel habe ich den Müll als Schlacken bezeichnet, die wir gemäß Satz 16.2 als Ursache von Krankheit ansehen müssen. Auf allen höheren Ebenen der Schichtung, also insbesondere in unserem Ökosystem, müssen wir es ebenso sehen. Daraus ist zu erkennen, wie sehr der Mensch mit seinem naturwidrigen hochentropischen Verhalten unseren Planeten gesundheitlich schädigt!
Zu diesen Auswirkungen des Menschen kommen noch, als wäre sein eigener unwirtschaft-licher Umgang mit Produktion und Müll nicht schon schlimm genug, seine Eingriffe in Land- und Forstwirtschaft, mit denen er auch den so wirtschaftlichen Kreislauf der Natur zerstört, indem er über Monokulturen, Kunstdünger, Pestizide und genetische Verunstaltung eine Unzahl von nützlichen Wildpflanzen und Kleinlebewesen ausrottet, die für diesen so unentbehrlich sind.
In all dem schlägt das Entropieprinzip voll zu Buche: Die durch die Produktion hochstruktu-rierter Güter in Industriebetrieben bewirkte Entropieerniedrigung wird von einer umso größeren Entropiezunahme in der Umwelt begleitet, und diese wird durch keinen wirksamen Kreislauf mehr kompensiert.
Man versucht dem mit den heute sosehr in Mode gekommenen Recyclingverfahren zu begegnen, doch diese helfen weniger als der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein, denn mit ihren gegenüber der Natur so unwirtschaftlichen Methoden verbrauchen sie – außer großen Summen von Geld – wieder Unmengen von neuer Energie, nur um am Ende eines solchen Kreises wieder das gleiche Ausgangsprodukt zu erhalten, das zuvor auf dem Müll gelandet war, etwa eine Glasflasche oder ein Auto, also nur um den status quo ante wiederherzustellen. Was ist dabei gewonnen? Die hierfür aufgewendete Energie ist vollkom-men verloren und geht somit zu 100% auf das Konto der Entropie.
Selbstverständlich verbrauchen auch alle Kreisprozesse der Natur Energie, aber eben mit einem ungleich höheren Wirkungsgrad, das ist der wesentliche Punkt. „Effektiver“ sind unsere technischen Methoden nur in der Sicht jener Menschen, die eine kurzfristige quantitative Steigerung der Ergebnisse im Blick haben und alle Negativposten ignorieren, indem sie die Entropie und langfristige Folgen nicht berücksichtigen. Die vollständige Bilanz sieht katastrophal anders aus!
Alles was wir hier unter dem Begriff Müll zusammenfassen, bedeutet nichts anderes als die Schlacken im Organismus eines Individuums, mit allen entsprechenden pathogenen Konse-quenzen (Satz 16.2). Man sehe nur, wie sich das Leben einer Stadt verändert, wenn ihre Straßen mit Autos verstopft sind oder ihre Müllabfuhr nicht funktioniert, wie das ökologische System von Flüssen und Seen auf die Einleitung von Abwässern reagiert, wie die Atmosphäre durch Fabriken, Autos und Flugzeuge belastet wird und mit immer größeren Wetter- und Klimakatastrophen reagiert. Das sind alles Erscheinungen im Sinne von Krankheit, d.h. kybernetische Reaktionen der angestrengten Selbstheilung unserer Erde. Und so sollten wir uns auch, als Reaktion auf die vielzitierte CO2-Belastung, eher auf eine neue Eiszeit als auf eine Übererhitzung der Erde gefaßt machen: Ein lebender Organismus reagiert kybernetisch, nicht linear, wie unsere Wissenschaft.
Dieses eigentliche Müll- und Verschlackungs-Phänomen können wir seit längerer Zeit auch schon im kleinsten menschlichen Umfeld beobachten: Es ist das sogenannte Messie-Syndrom, die Erscheinung, daß manche Menschen nicht mehr fähig sind, ihren eigenen nicht mehr verwertbaren Unrat zu entsorgen. Abfälle aller Art bleiben einfach in der Wohnung liegen, wie z.B. stehengelassene Speisen, Flaschen, Büchsen, kaputte Elektrogeräte, bis hin zu Schmutzwäsche und stinkenden Fäkalien. Hier funktioniert die Ausleitung im kleinsten Rahmen nicht mehr.
Alle diese Phänomene sind eng miteinander vernetzt und kennzeichnen eine allgemeine Unordnung und damit eine Zunahme der Entropie in unserem Lebensraum, und das alles nun in der klassischen, schlimmen Bedeutung des zweiten Hauptsatzes der Thermodynamik.
Man kann leicht erkennen, daß es auch im Ökosystem um das kybernetische Stoffwechsel-prinzip von Verwertung und Ausleitung geht. Müllentsorgung ist nichts anderes als Ausleitung, und das ist wieder nichts anderes als der Prigoginesche Entropieexport, ohne den kein natürliches System existieren kann. Ebenso kann man aber auch leicht erkennen, daß in den höheren Schichtungsbereichen unseres Ökosystems das Prinzip der Ausleitung immer problematischer wird. Wohin wollen wir schließlich noch allen Müll exportieren? Auf den ersten Blick könnte noch ein Export in den Weltraum naheliegen, doch die hierzu benötigte Technologie zwingt uns weiter in den Teufelskreis des technologischen Zirkels. Zu all den hier aufgeworfenen Fragen kann es eigentlich nur noch eine Antwort geben:
Müllvermeidung anstatt Müllexport, Reparatur vorhandener Güter anstatt Recycling, Unterstützung der natürlichen Kreisprozesse, anstatt diese mit trügerischen technischen Methoden zu zerstören!
Die allgemeine Verschlackung unserer Umwelt wirkt sich schließlich auch auf den Zustand der menschlichen Gesellschaft aus. Wie beim einzelnen Menschen zu den physischen Krankheitssymptomen noch seelische und geistige dazukommen, so müssen wir auch zu den Symptomen einer insgesamt kranken menschlichen Gesellschaft neben denen von Seuchen noch solche rechnen wie allgemeine Frustration und Lethargie, sowie den erschreckenden Anstieg von Rauschgiftkonsum und Kriminalität.
Alle Politiker sind sich darin einig, daß vor allem inbezug auf die letzteren Erscheinungen ein immer dringenderer Handlungsbedarf besteht. Doch die angewandten Strategien sind, wie alle Erfahrungen zeigen, zu einer Bewältigung dieser Probleme offenbar nicht geeignet, diese nehmen immer mehr zu. Die Gründe dafür müssen wir darin suchen, daß man sich nicht um die wirklichen Ursachen kümmert, denn mit Entwöhnung und Bestrafung allein betreibt man nur Palliativmedizin.
Wir sollten bedenken: Rauschgiftsüchtige und Kriminelle entwickeln sich innerhalb der Gesellschaft, so wie die Bakterien innerhalb des individuellen Organismus. Hier wie dort betrachtet man jedoch diese Elemente als etwas von außen Kommendes (vgl. Kap. 17.3) und behandelt sie demgemäß antibiotisch. Die Fehler der Medizin werden auf die ganze Gesellschaft übertragen. In beiden Fällen besteht vielmehr die unerbittliche Forderung nach einer Sanierung des Milieus! Man würde das leichter erkennen, wenn man nur untersuchen wollte, wann und wie die einzelnen Zweige der Kriminalität entstanden sind.
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Zur Bedeutung der Nahrung:
Unterstützung der natürlichen Kreisprozesse bedeutet Permakultur. Dieses Wort ist eine Abkürzung für „permanent agriculture“ und bedeutet dauerhafte Landwirtschaft. Über den schon lebenswichtigen Gesichtspunkt der Entropie hinaus besteht hierzu noch ein anderer, ebenfalls lebenswichtiger Grund, den man wohl überhaupt nicht ernst nehmen will (vgl. Pkt. 4 des in Kap. 23 zitierten Siemensprogrammes):
Nahrung ist lebensnotwendige geistig-vertikale Information. Das verlangt, daß sie genauestens ihre durch die Evolution bestimmte Verträglichkeit (Kompatibilität, vgl. Satz 16.5) mit dem aufnehmenden Organismus behält. Ihr materiell-energetischer Nährwert ist nur einer ihrer vielen Aspekte.
Wie in Kapitel 16.3 beschrieben, bedeutet jede Nahrungsaufnahme eine Vereinigung eines Lebewesens mit einem anderen. Trotz aller äußerlichen materiellen Aspekte bedeutet das eine ganzheitlich-geistige Kommunikation (Wechselwirkung). In allen früheren Zeiten war die Nahrung dem Menschen etwas Heiliges. Ein Tier wurde nur dann getötet, wenn man es unmittelbar als Nahrung benötigte, und auch das bei den Naturvölkern nur nach vorheriger (mentaler) Übereinkunft. Soetwas kann man sich heute im Zeitalter der Massenschlachtungen und internationalen Viehtransporte gar nicht mehr vorstellen. Alles das geschieht nur noch nach kommerziellen Gesichtspunkten.
Nahrung wird heute lediglich als materieller Kalorien-Nachschub betrachtet, den man dem Menschen einfüllt wie dem Auto das Benzin. Eigentlich weiß man aber andererseits doch, daß der Mensch über die Grundnahrungsmittel hinaus auch noch viele andere Stoffe benötigt, die selbst keinen kalorischen Nährwert haben, wie z.B. die Viatmine. Mängel an jenen führt zu Skorbut, Rachitis usw., was man sich vor Entdeckung der Vitamine nicht hat erklären können. Aber wie kommt man heute dazu anzunehmen, daß man jetzt alles kenne, was an der Nahrung für den Menschen von Bedeutung ist?
Was man in künstlich präparierten landwirtschaftlichen Kulturen und vor allem in Fabriken an sogenannten Nahrungsmitteln fabriziert, hat nur noch sehr entfernt etwas mit den altge-wohnten Lebensmitteln zu tun, denn diese Produkte können sich nur noch auf die Ähnlich-keiten beziehen, die für unsere Wissenschaft meßbar sind, auf die lateralen Aspekte unserer Wirklichkeit. Ein Beispiel, das man eigentlich auch im konventionellen Denken verstehen sollte: Haltbar gemachte Nahrung bedeutet, daß sie gegenüber Oxidation, Bakterien etc. resistent gemacht wurde. Das führt aber im allgemeinen dazu, daß sie auch dem menschlichen Verdauungsprozeß widersteht, der ja weitgehend auf den gleichen Prinzipien beruht; sie ist also schwer verdaulich. Die vielen chemischen Zusätze tun ihr Übriges.
Wie in der medizinischen Chemotherapie ergeben sich auch hier eine große Menge unkontrol-lierter Nebenwirkungen, die sich vor allem erst langfristig auswirken, denn die unmittelbaren Schäden können in der herkömmlichen Weise chemisch erfaßt und vermieden werden. Was z.B. allein die Leber langzeitig kumuliert, berücksichtigt niemand. Die langfristige Verschlechterung des allgemeinen Gesundheitszustandes der Bevölkerung, chronische Verdauungsdefekte, Allergien, ganz besonders die so schrecklich überhandnehmende Dicklei-bigkeit (Adipositas) gehen besonders auf dieses Konto.
Eines der extremsten Beispiele von Fehlernährung ist sicher der Rinderwahnsinn (BSE), das Ergebnis einer der höchsten Verirrungen menschlicher „Wissenschaft“: Was wir vor vielen Jahrzehnten schon in der Schule gelernt haben, das weiß man offenbar heute nicht mehr, nämlich daß das Rind sich ausschließlich vegetarisch ernährt, einen eigens dafür ausgebildeten Magen hat, der kein tierisches Eiweiß aufschließen kann! Wo soll der dabei entstehende Müll hin? Statt dessen sucht man gemäß der heute so grassierenden Bakterienwut nach „Erregern“ und glaubt diese tatsächlich in den Prionen gefunden zu haben, ohne zu erkennen, daß es sich hierbei nur um die entsprechend entgleisten Stoffwechselprodukte handelt (vgl. Kap. 20.4).
Aber der Wissenschaftswahn läßt sich offenbar immer noch weiter steigern: Mit der Gentechnologie ist man nun im Begriff, endlich unsere letzten Nahrungsgrundlagen zu zerstören. Man möchte das rechtfertigen mit dem Argument, der Mensch hätte schon immer „Gentechnologie“ betrieben, etwa durch die Züchtung von bestimmten Getreidesorten oder Haustieren, die durch entsprechende Kreuzungen kultiviert worden sind. Gregor Mendel hat das ja sogar in Gesetze gefaßt.
Doch mit dieser Argumentation begeht man einen ganz kapitalen Fehler! Alle bisherigen Züchtungen, auf die man sich beruft, hat der Mensch auf der Alltagsebene ausgeführt: Er kreuzte ganze Tiere oder Pflanzen miteinander. Damit tat er im Prinzip nichts anderes, als sich in der freien Natur auch ohne ihn abspielte, nur mit einem bißchen mehr „System“. Was daraus wurde, blieb immer der Natur überlassen, und diese folgt stets dem Prinzip der informativen Kompatibilität (s. oben) der Evolution.
Heute aber haben unsere Wissenschaftler ihre Züchtungsvorstellugen auf die uns nur sehr beschränkt zugängliche Mikrowelt übertragen. Dort bringen sie in ihrer naiven Unkenntnis der vertikalen Zusammenhänge die Moleküle des Genoms durcheinander. Da sich die dabei entstehenden neuen Lebewesen anschließend, so weit sie das überhaupt noch können (s. unten), auf ihre eigene Weise weiter vermehren, ist der dabei angerichtete Schaden gar nicht abzusehen und vor allem nie mehr gut zu machen!
Hier zeigen sich auf die allerschlimmste Weise die Folgen des niemals hinterfragten Prinzips unserer heutigen Naturwissenschaft, ihr Alltagsdenken auf die uns nicht zugängliche Mikrowelt zu übertragen. Durch unser ganzes Buch verfolgt uns diese primitiv-naive Denkweise wie ein eigener „roter Faden“ (s. Kap. 11). Die Folgen werden jetzt noch verheerender sein, als wir sie bisher bei den entsprechenden Schritten in Physik und Medizin schon erlebt haben. Mit seinem Angriff auf den Kern – Atomkern dort, Zellkern hier – hat der Mensch, wie auch Erwin Chargaff sagte, alle ethischen Grenzen überschritten!
Damit komme ich schließlich noch auf einen weiteren, äußerst wichtigen Punkt zu sprechen, an den vielleicht noch niemand ernsthaft gedacht hat: Nahrung ist ein Lebensmittel, ein Mittel zum Leben, sie muß dem Erhalt und der Fortführung unseres Lebens dienen, und das setzt voraus, daß sie selbst Leben ist, das sich wie wir erhalten und fortpflanzen kann. Wir können uns demnach nur von Tieren und Pflanzen ernähren, für die dieses Prinzip von Natur aus gilt. Zerstört man in jenen Lebewesen ihre eigene Fortpflanzungsfähigkeit, so können sie auch unserem Leben nicht mehr in solcher Weise dienen. Diesen Fall haben wir bei allen Früchten, denen man, wie etwa den Navelorangen, ihren Kern genommen hat, ihren eigentlichen Lebens-Inhalt.
Wenn man biologisch denkt, muß man einsehen, daß der Kern als Träger des genetischen Materials für die Fortpflanzung, die Arterhaltung, eigentlich sogar wichtiger ist als das „Drumherum“. Das bedeutet nicht unbedingt, daß man den Kern selbst auch essen muß, es kann genügen, daß er in die ihn umgebende Frucht ausstrahlt, was sich zunächst schon am Geschmack bemerkbar macht. Wer sich noch erinnert, wie Orangen vor fünfzig Jahren geschmeckt haben, wird wissen, was ich meine. All dem zum Trotz ist man heute dabei, alle unsere Grundnahrungsmittel, wie etwa Kartoffeln und Getreide, zu sterilisieren: Sie sind nicht mehr keimfähig. Und wer weiß, wie weit man diesen Zerstörungsprozeß inzwischen auch schon bei unseren Nahrungstieren getrieben hat?
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Diese Überlegungen zum Prinzip der informativen Kompatibilität, das seine Wurzeln in dem schon im Altertum bekannten Äqualitätsprinzip (s. Kap. 2.3, 2.4) hat, legen uns die Frage nahe, inwieweit diese Zerstörung des Lebensprinzips unserer Nahrung auch schon an der immer mehr auffallenden Unfruchtbarkeit der Menschen ursächlich beteiligt ist, von den allgemein grassierenden Nahrungsunverträglichkeiten (Allergien usw.) ganz abgesehen. Eine weitere Anregung zu solchen Überlegungen könnte uns auch noch die in Kapitel 16.3 (und gerade hier oben wieder erwähnte) Feststellung geben, daß jede Nahrungsaufahme eine Vereinigung zweier Lebewesen bedeutet. Und dieses Prinzip gilt ja auf allen Ebenen (Schichtungsinvarianz!) und damit auch, wie schon dort festgestellt, für die Fortpflanzung auf unserer Ebene. Woher will unsere so fortschrittliche Wissenschaft all dem gegenüber nur ihre Rechtfertigung nehmen dafür, alle solchen Einflüsse einfach auszuschließen?
Hat man es noch nicht aufgegeben, hier an einen letzten Rest von Ethik zu appellieren, so kann ich mich im Hinblick auf die Wirtschaft, die ja alle Wissenschaft fest im Griff hat, nur noch auf die bloße Feststellung beschränken, daß sie mit dieser Technologie alle Landwirt-schaft von sich abhängig machen will: Kaum ein Bauer kann heute noch sein eigenes Getreide zur nächsten Aussaat verwenden, er muß das Saatgut in der Fabrik kaufen. Der oben beschworene Kreislauf der Natur, die Permakultur, ist zerstört!
Nahrung ist etwas vollkommen anderes als ein auf dem Reißbrett konstruierbares Konglomerat von Molekülen. Alles was molekular sichtbar ist, sind nur laterale Phänomene der für uns unergründbaren vertikal-geistigen Zusammenhänge. In der Nahrungsverwertung gemäß der Stoffwechselschraube haben wir gesehen, daß das, was unseren Stoffwechsel und damit unser ganzes Leben in all seinen Erscheinungsformen ausmacht, die vertikalen Prozesse sind. Ich muß es noch einmal sagen:
Nahrung ist geistige Lebens-Information!
Die Vorstellung, der Mensch könne mit seiner auf den schmalen lateralen Streifen der Wirklichkeit beschränkten, kaum einige Jahrzehnte alten chemischen und gentechnischen Forschung all das erfassen und verbessern, was die Schöpfung in Milliarden von Jahren in feinster Abstimmung für ein unendlich komplexes Netz von Lebewesen hervorgebracht hat, bedeutet eine mit Worten nicht mehr beschreibbare Hybris, wie sie die Menschheit noch nie zuvor erlebt hat!
