Das Buch 'Natur - Ganzheit - Medizin' von Harald Zycha

Das Buch

NATUR - GANZHEIT - MEDIZIN

von Dr. rer. nat. Harald Zycha

Kritik der reduktionistisch-materialistischen Naturwissenschaft und Begründung einer ganzheitlich-kybernetischen Medizin der Natur.

Forum für eine
ganzheitliche Naturwissenschaft und Medizin

Dieses Forum möchte auf die überaus ernsten Probleme in unserem Gesundheitswesen und Ökosystem aufmerksam machen und aufzeigen, daß die Ursachen dafür in einer weitgehend verfehlten Naturwissenschaft und Medizin liegen, aber auch, daß man die Fehler beheben kann, wenn man nur will.

Der Autor des Buches 'Natur - Ganzheit - Medizin': Dr. rer. nat. Harald Zycha

Der Autor


Dr. rer. nat. Harald Zycha


Physiker und Informatiker

  • Warum dieses Buch?
  • Inhaltsverzeichnis
  • Zu den Textauszügen
  •    -  Vorwort
  •    -  Einführung: Themen (Kap. 1)
  •    -  Physik und Raum (Kap. 3)
  •    -  Physik an der Wende (Kap. 4)
  •    -  Probleme und Fragen (Kap. 5)
  •    -  Ganzheit und Schichtung (Kap. 6)
  •    -  Realität und Wirklichkeit (Kap. 7)
  •    -  Die Rolle der Mathematik (Kap. 7)
  •    -  Musik und Materie (Kap. 9)
  •    -  Ganzheitliches Denken (Kap. 10)
  •    -  Kritik der Physik (Kap. 11)
  •    -  Kritik der Medizin (Kap. 14)
  •    -  Stoffwechsel u. Immunsystem (Kap. 16)
  •    -  Krankheit und Heilung (Kap. 17)
  •    -  Homöopathie (Kap. 18)
  •    -  Eigenharntherapie (Kap. 19)
  •    -  Impfkritik (Kap. 20)
  •    -  Irrlauf des Kapitalismus (Kap. 22)
  •    -  Fortschritt u. technolog. Zirkel (Kap. 23)
  •    -  Ökologie und Nahrung (Kap. 24)
  • Aktuelle Brennpunkte
  • Zum Werdegang des Buches
  • Der Autor
  • Kontakt
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  • Integrative Medizin

Aus Kapitel 18. Wissenschaftliche Begründung der Homöopathie

Anmerkung: Die folgenden Auszüge können nur eine erste Andeutung der Eigenheiten der Homöopathie geben. Zu einem vollständigen Verständnis wäre die vollständige Wiedergabe dieses Kapitels nötig, die ihrerseits wieder die ausführliche Darstellung der Kapitel 8, 16 und 17 voraussetzt.


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„Durch Beobachtung, Nachdenken und Erfahrung fand ich, daß im Gegentheile von der alten Allöopathie die wahre, richtige, beste Heilung zu finden sey in dem Satze: Wähle, um sanft, schnell, gewiß und dauerhaft zu heilen, in jedem Krankheitsfalle eine Arznei, welche ein ähnliches Leiden (homoion pathos) für sich erregen kann, als sie heilen soll!“


Mit diesem Satz formulierte der Begründer der Homöopathie, der aus Meißen stammende Arzt Samuel Hahnemann (1755 – 1843) zum Ende des 18. Jahrhunderts, sein großes Konzept der Heilkunde, das bis heute vielen Millionen Menschen in aller Welt Heilung gebracht hat, die in so manchen Fällen ans Wunderbare grenzt. Was unsere Hochschulmedizin in der lebensrettenden Notfallmedizin, ist die Homöopathie in der Heilung!


Also, sollte man schließen, müssen sich diese beiden medizinischen Systeme doch wunderbar ergänzen! Dieser Meinung bin auch ich, leider aber nicht die Vertreter der Hochschulmedizin. Eine so segensreiche Zusammenarbeit wird bisher – gelinde gesagt – strikt abgelehnt, und das begründet man damit, daß der Homöopathie jede wissenschaftliche Grundlage fehle.


Um eine solche bemühen sich zwar schon seit langem die aufgeschlosseneren Forscher unter den Naturwissenschaftlern, insbesondere Physiker, und auch fortschrittliche Mediziner, doch sie suchen nach ihr immer noch im Rahmen der „geltenden Wissenschaft“, und das ist ausschließlich die materialistische Physik, über die ich nun eigentlich genug gesagt habe.


Die Prinzipien der Homöopathie reichen über diesen Rahmen weit hinaus, sie sind nur in dem aller Physik übergeordneten Kontext einer ganzheitlichen Kybernetik zu begreifen. Hier aber fügt sich nahtlos eins zum andern. Das ist nun schon seit rund fünfzehn Jahren bekannt, ohne daß man es zur Kenntnis nehmen will. Weiter angelt man im Sumpf nach Fischen, nicht im freien Wasser, wo sie zuhause sind ...

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Der oben zitierte Satz von Hahnemann bezieht sich auf den einen der beiden Grundpfeiler der Homöopathie, auf das Simileprinzip. Dieses hat Hahnemann an der gleichen Stelle auch in der heute allgemein bekannten Kurzform ausgedrückt: Similia similibus curentur! Das heißt: Ähnliches werde durch Ähnliches kuriert! Ich sage „kuriert“, nicht „geheilt“, denn auch Hahnemann war sich der Formel „medicus curat, natura sanat“ bewußt. Wichtig ist hier auch der Konjunktiv („curentur“ statt „curantur“), denn es handelt sich dabei um eine Vorschrift.


Das Simileprinzip bedeutet, daß dem Kranken eine solche Arznei in verdünnter Form zu geben ist, die bei einem Gesunden in konzentrierterer Form die gleichen Krankheitssymptome erzeugt, wie sie der erstere zeigt. Hierbei ist wesentlich, daß in einer besonders ausführlichen Untersuchung und Befragung (Anamnese), die oft länger als eine Stunde dauert und mehr als hundert Fragen enthält, alle körperlichen, seelischen und geistigen Symptome und ihre besonderen (variablen) Bedingungen (Modalitäten), wie Zeit, Ort, Wetter usw., unter denen sie sich ändern, aufgenommen werden. In möglichst vielen dieser Symptome muß das Symptomenspektrum der Arznei mit dem des Kranken übereinstimmen. Da diese Zusammen-hänge erst nach der Beschreibung des Potenzierungsprinzips besser verständlich sind, werde ich sie erst weiter unten noch genauer erläutern.


An dieser Stelle ist jedoch schon folgendes einsichtig: Das Symptomenbild liefert dem Therapeuten gemäß den Sätzen 17.2 und 17.3 schon alles, was er mit Sicherheit, also ohne Theorie und Hypothese, von der Krankheit wissen kann. Die Gesamtheit der Symptome offenbart die Krankheit, oder richtiger gesagt, die Selbstheilungs-Bemühungen des kranken Organismus, die es zu unterstützen gilt.


Dieses Prinzip wird in der extremsten Ausprägung der Homöopathie, der Isopathie (d.h. nicht nur Ähnliches, sondern Gleiches mit Gleichem zu kurieren), am deutlichsten: Hat man etwa eine Arsenik-Vergiftung, so ist Arsenik in hoher Verdünnung (Potenz) das geeignete Mittel, und hat man eine Tollkirschenvergiftung, so ist Belladonna (das Gift der Tollkirsche) in hoher Potenz das Rezept. So wußten es auch schon die alten Ärzte Hippokrates und Paracelsus.


Den zweiten Grundpfeiler der Homöopathie bildet das Potenzierungsprinzip, das von allen schulmedizinischen Kritikern noch weniger verstanden wird als das erste, was aber nach den Ausführungen der früheren Kapitel nicht mehr verwundert. Es ist jedoch gerade dieses Prinzip eine ganz unmittelbare Konsequenz unseres kybernetischen Prinzips der Ganzheit, denn in ihm drückt sich genau das aus, was im katabolen Zweig der Stoffwechselschraube (Satz 16.3) geschieht.


Hier zunächst eine Beschreibung des Potenzierungsverfahrens, wie es Hahnemann entwickelt hat. Es besteht in einer schrittweisen Verdünnung einer konzentrierten Ausgangslösung (Urtinktur) der Arznei in einem Wasser-Alkohol-Gemisch. (Alternativ kommt auch eine entsprechende Verreibung mit Milchzucker in Frage.) Hahnemann schlug Verdünnungs-schritte von je 1 zu 100 vor, d.h. 1 Teil der Ausgangslösung wird mit 99 Teilen des Lösungsmittels vermischt, dann wieder 1 Teil dieses Ergebnisses mit abermals 99 Teilen des Lösungsmittels, und so fort.


Diese Verdünnungen werden mit einem großen „C“ (für centesimal = 1 zu 100) bezeichnet. C8 bedeutet zum Beispiel, daß 8 solche Schritte nacheinander ausgeführt werden. Hahnemann bezeichnete diese Verdünnungen als Potenzen. Das hat gleich zwei Gründe: Der eine bezieht sich auf die entsprechende mathematische (Zehner-)Potenz. Der andere war aber hier eher gemeint und bedeutet, daß mit zunehmender Anzahl der Verdünnungsschritte die (Heil-) Kraft der Arznei zunimmt, ihre therapeutische Potenz. Man denke hier auch an die entsprechende chemische Wirksamkeit bei der Auflösung etwa einer Säure in Wasser, deren Stärke mit zunehmender Verdünnung wegen der dabei erhöhten Dissoziation (hier materiell bis zu einem gewissen Grad) zunimmt (Ostwaldsches Verdünnungsgesetz). Die Zusammen-hänge sind, wie wir später sehen werden, tatsächlich weitgehend die gleichen.

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War schon die Entdeckung des Simileprinzips als erste Voraussetzung dieses Heilungskonzeptes eine geniale Leistung, so kann man heute gar nicht mehr recht nachvollziehen, welche besondere Leistung die Entdeckung des zweiten Prinzips, des der Potenzierung, bedeutet, denn ohne dieses wäre alles vergebens gewesen. Es mußten beide genialen Entdeckungen zusammenkommen!


Denken wir doch darüber nach, was das erste Prinzip ohne das zweite wert wäre. Das zweite ignorieren ja auch die Gegner und argumentieren sogar noch damit: Eine Potenz von C30, eine ganz normale „mittlere Hochpotenz“, bedeutet als Gesamtverdünnung von 1 zu 10 hoch 60 (eine 1 mit 60 nachfolgenden Nullen) einen Tropfen der Arznei auf mehr als alle Weltmeere verteilt! So betrachtet kann das keine therapeutische Wirkung haben. Es liegt ja schon die sogenannte Allgegenwarts-Konzentration in der Größenordnung von etwa 1 zu 10 hoch 10, d.h. in einer solchen Verdünnung sind praktisch schon alle bekannten chemischen Elemente auch im reinsten Wasser vorhanden, und das hat nun einmal überhaupt keine therapeutische Wirkung. Ganz zu schweigen von der Loschmidtschen Bedingung des Molekularkonzeptes, nach der man bei einer Verdünnung höher als D23 nicht mehr mit der Anwesenheit von auch nur einem einzigen Molekül der Arznei rechnen kann. Aus solchen Überlegungen schließt der konventionelle Naturwissenschaftler, der, wie gesagt, das Besondere des Potenzierungsprinzips nicht kennt, weil er ja die ganzheitliche Schichtung der Natur nicht kennt, daß so hoch verdünnte Arzneien überhaupt nicht wirken können.


Und wie es wirkt! Um das zu verstehen, müssen wir jedoch den kybernetischen Zusammen-hängen des Stoffwechsels nachspüren, wie ich es in Kapitel 16.2 und 16.3 beschrieben habe. Jede Nahrung und Arznei wirkt auf diese Weise. Es wird kein Stoff, den der Mensch aufnimmt, in einem einzigen Schritt auf den vermuteten Endzustand verdünnt, sondern alles wird, seiner Schichtung entsprechend, in vielen einzelnen Teilschritten aufgelöst. Es ist auch der menschliche Organismus selbst nicht eine bloße Ansammlung von Elementarteilchen. Es ist immer eine Folge von diskreten Einzelschritten das Wesentliche an der Verdauung aller Nahrung und Arznei!


Alles in dieser Welt ist geschichtet. Und will man auch die einzelnen Schichten selbst noch materiell betrachten, so ist doch alles, was den Unterschied von einer Schicht zur anderen ausmacht, das „mehr“ des Ganzheitsprinzips! Schon das allein ist geistige Information. Aller Stoffwechsel funktioniert ausschließlich in dieser schrittweisen Auflösung von geschichteter Information (s. Satz 8.30), wie ich es als Stoffwechselschraube (s. Satz 16.3) beschrieben habe: Bei jedem Lösungsschritt wird die Information freigelegt, die zur richtigen Ausführung des nächsten Verdauungsschrittes benötigt wird.


Was der Homöopath beim Potenzieren macht, ist im Prinzip genau das gleiche. Er, und nicht der konventionelle Pharmazeut, ahmt die Natur in ihrem wesentlichen Prozeß nach:


Potenzieren ist Nachahmung der Stoffwechselschraube!

Die stufenweise Verdünnung einer homöopathisch zubereiteten Arznei und das stufenweise Aufschließen von Nahrung und Arznei im katabolen Zweig des Stoffwechsels im Organismus beruhen auf dem gleichen Prinzip der Informationsgewinnung. Das erstere kann man als Potenzieren in vitro betrachten, das letztere als Potenzieren in vivo.


Und damit sollte einem jetzt auch das Simileprinzip klar werden. Wir wissen ja nun (s. Sätze 16.2 und 17.1), daß der Fall der Krankheit dann eintritt, wenn die Stoffwechselschraube mangels Information stecken bleibt. Man kann natürlich auch sagen: weil zuviel Stoff zu verarbeiten ist, der nicht mehr aufgeschlossen werden kann, oder weil im Körper ein Mangel an Lösungsmitteln, Enzymen usw. herrscht. Wie wir in den vorangehenden Kapiteln gesehen haben, sind das alles gleichberechtigte Darstellungen: Das eine ist die geistig-qualitative Sicht, das andere die materiell-quantitative. Und zwischen beiden Sichten vermittelt das Maß (s. Satz 17.1).


Das Simileprinzip ergibt sich aus der Möglichkeit, daß man im Prinzip jeden pathologischen Stoffwechselprozeß durch Gabe eines entsprechenden Nahrungs- oder Arznei-Stoffes nachahmen kann. Dort, wo das de facto gelingt, hat man die passende Arznei gefunden!


Diese bewußte Nachahmung erfolgt bei der homöopathischen Arzneiprüfung, für welche, da es sich um eine materiell-experimentelle Methode handelt, zunächst die eben genannte materiell-quantitative Sicht des Maßes (Satz 17.1) zur Anwendung kommt: Mehrere gesunde Probanden erhalten den auf seine Wirkungen zu prüfenden Arzneistoff in einer solchen Konzentration (Verdünnung) und Dosis (Menge) zugeführt, daß er toxisch, aber noch nicht organschädigend wirkt. Die Tester müssen alle zu beobachtenden Krankheitssymptome und ihre Umgebungsbedingungen (Modalitäten) genau registrieren. Von den oft mehr als tausend Aufzeichnungen kommt schließlich eine nach gewissen Kriterien getroffene Auswahl der verläßlichsten Symptome – auch das oft noch mehrere hundert – zur Eintragung in das homöopathische Arzneibuch (Materia medica).


Bei der Arzneiprüfung wird also durch die zu testende Arznei im zuvor Gesunden eine Arznei-Krankheit verursacht. Hierbei ist fundamental wesentlich, daß diese nicht nur simuliert, sondern wirklich erzeugt wird! Diese Krankheit verläuft aber, da sie, vor allem auch im Hinblick auf die Dosierung der Arznei, unter ständiger Aufsicht steht, von selbst reversibel ab, d.h. sobald man den Test absetzt, normalisiert sich der Zustand der Testperson wieder. Das allein kann man schon als einen Hinweis auf den restitutiven Charakter einer (natürlichen) Krankheit gemäß Satz 17.3 betrachten. ...


Für das Simileprinzip kann man nun unmittelbar die Begründung erkennen:


Erzeugen zwei verschiedene Noxen im lebenden Organismus gleiche Krankheitsbilder, beurteilt am vollständigen Symptomen-Spektrum, so sind auch die von ihnen erzeugten pathologischen Stoffwechselprozesse gleich.


Das folgt unmittelbar aus den Sätzen 17.2 und 17.3 und aus der exakten Reproduzierbarkeit aller kybernetischen Prozesse (s. Sätze 7.11 und 8.22), ohne die kein einziges Naturgesetz formulierbar wäre. In dieser strengen Form besteht allerdings eine echte Gleichheit (Identität) der Ursachen (Noxen), wie sie exakt nur im Falle der schon erwähnten Isopathie gegeben ist, d.h. bei Vergiftungen, bei welchen der Giftstoff bekannt ist und in potenzierter Form zur Heilung verwendet wird. Das ist natürlich trivial.


Der allgemeine Fall ist jedoch der der Ähnlichkeit, in dem die Symptomenbilder nicht in allen kleinsten Einzelheiten, aber doch in einer möglichst großen Anzahl wichtiger Symptome, insbesondere der sogenannten „Leitsymptome“ (Schlüsselsymptome), übereinstimmen müssen, damit man sicher auf das innere Geschehen des Stoffwechsels schließen und die Arznei im Krankheitsfall erfolgreich einsetzen kann. Je weniger Symptome man zur Verfügung hat, umso unsicherer wird die Korrelation. Mit der geringen Anzahl, wie sie in einer schulmedizinischen Diagnose erfaßt werden, wäre ein solches Vorgehen absolut unmöglich.


Die Gleichartigkeit des inneren Geschehens bei gleichen äußeren Symptomenbildern bedeutet, daß die Stoffwechselschraube etwa im gleichen Bereich der inneren Schichtung des Organismus auf gleiche Weise stecken geblieben ist. Inbezug auf jenen Bereich war die Noxe zu konzentriert, als daß der Organismus sie innerhalb der Homöostase hätte ausregeln können. Dort hat der Organismus offenbar die für die weitere Bearbeitung benötigte Information verloren. Hier kommt nun der zweite, mit der Potenzierung verbundene Ansatz des Simileprinzips zum Zuge:


Die durch die Stoffwechselschraube geforderte Potenzierung (Verdauung) der Noxe, die der kranke Organismus nicht selbst (in vivo) ausführen kann, wird an der auf sein Symptomenbild passenden Arznei, dem Simile, außerhalb des Organismus (in vitro) vorgenommen. Die hierdurch erschlossene Information wird dem Organismus durch die potenzierte Arznei zugeführt, wodurch dieser in die Lage versetzt wird, seinen eigenen inneren Potenzierungsprozeß wieder erfolgreich fortzusetzen.

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Es kommt nicht von ungefähr, daß von allen Konzepten der Erfahrungsheilkunde die Homöopathie am meisten den Angriffen der naturwissenschaftlichen Medizin ausgesetzt ist. Mit einem buchstäblich ans Mittelalter erinnernden exorzistischen Eifer geht man oft gegen sie vor, ja man bezeichnet sie sogar ganz offiziell als „Irrlehre“, die „nicht vereinbar mit dem vernünftigen Denken“ sei! Man wirft ihr „Unwissenschaftlichkeit“ vor, weil sie bis heute nicht naturwissenschaftlich begründet werden kann ...


Und das wird auch so bleiben, denn mit dieser „Naturwissenschaft“, wie sie heute verstanden wird und wie ich sie nun hinlänglich kritisiert habe, wird man sie niemals begründen!


Es sind hier offenbar die extremsten Kontrahenten von Wissenschaft und Heilkunst aneinandergeraten. Es geht jedoch an dieser Stelle nicht mehr um die Frage, was ethisch höherstehend und wünschenswerter sei, Wissenschaft am Katheder oder Heilung am Krankenbett. Dazu mögen sich jetzt lieber die Patienten äußern!


Es geht darum, die fundamentale Bedeutung des homöopathischen Prinzips für die gesamte Heilkunde zu erkennen. Ich möchte vermuten, daß es gerade diese besondere Bedeutung ist, weshalb man von seiten der „Orthodoxie“ so schwere Angriffe führt. Die Hochschulmedizin fühlt sich in ihrem Innersten verunsichert, denn alles, was auch hier im Erfolgsfalle letztendlich heilt, beruht auf diesem Prinzip. Man fühlt es, doch man versteht es nicht.


Die der Homöopathie vorgeworfene „Unwissenschaftlichkeit“ ist, wie ich ausführlich gezeigt habe, nicht deren Problem, sondern das jener Wissenschaft selbst, auf die man sich bezieht. Wie will denn eine Wissenschaft, die nicht einmal über einen allgemein verbindlichen Begriff von Krankheit und Heilung verfügt, über die Heilwirksamkeit von ihr fremden Heilmethoden urteilen? Sie ignoriert ihre Heilerfolge und versteht ihre wissenschaftlichen Grundlagen nicht. Wie will eine Wissenschaft, die über fragwürdige, nämlich widerlegbare Hypothesen von Irrtum zu Irrtum fortschreitet, über die Wirklichkeit richten? Kann man überhaupt einem ärztlichen System zumuten, daß es seine eigene unwiderlegbare Erfahrung fremden widerlegbaren Theorien unterwerfen soll?


Leider sind sehr viele Homöopathen dazu bereit, sich zu unterwerfen, zu groß ist immer noch ihr Respekt vor einer hier völlig versagenden toten Physik! Aus so manchen begreiflichen Gründen wollen sie den Faden zur „Schule“ nicht abreißen lassen, wofür sie sich schließlich auch vor neuen Denkansätzen außerhalb der „geltenden Wissenschaften“ verschließen.


Aber versuchen wir nun, die ideologischen Gegensätze zwischen den beiden Lagern heraus-zuarbeiten. Ich betrachte das als eine Voraussetzung für den Versuch einer Verständigung.


Als erstes muß der unterschiedliche gesellschaftliche Bezug auffallen: Die Homöopathie ist die reinste Form von ganzheitlicher Individualmedizin, sie ist eine „Medizin der Person“, die Schulmedizin eine Medizin des standardisierten Durchschnittsmenschen. Das bedeutet, konkreter ausgeführt:


Das Simileprinzip der Homöopathie ist nur anwendbar, wenn man bei der Ermittlung der passenden Arznei nicht nur die deutlich sichtbaren aktuellen Krankheitssymptome berücksichtigt, wie sie auch ein in visueller Diagnostik geübter Schulmediziner registrieren kann, sondern auch alle höchstpersönlichen Merkmale des Patienten hinsichtlich körperlicher Konstitution, Seele, Charakter, Gewohnheiten usw., und das alles im kranken wie auch im gesunden Zustand. Nur bei einer so weitgehenden Kenntnis aller Symptome darf man die Gültigkeit von Satz 18.2 für das Simileprinzip voraussetzen.


Bei der Schulmedizin bleiben hingegen fast alle persönlichen Merkmale des Patienten unberücksichtigt, das Symptomenbild ist eingeschränkt auf die allgemeinen biologischen Merkmale der Spezies Mensch. Nur auf diese Weise ist es überhaupt möglich, den Begriff Krankheit vom individuellen Menschen abzulösen und bestimmte „Krankheiten“ einer Klasse von Menschen zuzuordnen, denen jeweils alle allgemeinen Merkmale einer solchen, wie z.B. Typhus, Scharlach, zukommen. Und nur auf dieser Grundlage können mehrere Menschen in austauschbarer Weise einer randomisierten Doppelblindstudie unterworfen werden.


Gerade das ist in der Homöopathie prinzipiell nicht möglich, weil man hier niemals davon ausgehen darf, daß auch nur zwei Menschen einer Testreihe in der gleichen Weise krank sind, sodaß sie verschiedene Arzneien benötigen, wenn auch der Schulmediziner allen etwa Grippe zuordnet und die gleiche Medizin verordnet. Das gilt in umgekehrter Weise sogar auch beim homöopathischen Arzneitest, bei dem immerhin alle Probanden die gleiche Arznei bekommen: Diese haben – jetzt im Sinne der Hochschulmedizin – deshalb nicht unbedingt die gleiche Krankheit, weil ja ihre ganz persönlichen Attribute wie Wesen, Konstitution usw. in den Test mit eingehen und damit verschiedene schulmedizinisch reduzierte Symptomenbilder ergeben können. Das unterstreicht die absolute Notwendigkeit, bei der Anamnese (s. Abschn. 18.1) auch alle persönlichen Wesensmerkmale, die dieser im kranken und gesunden Zustand zeigt, mit zu berücksichtigen. – Diese Zusammenhänge sind jetzt geeignet, den Schulmedi-ziner vollends zu verwirren ...


Mögen die Kranken also in wenigen wichtigen Symptomen übereinstimmen, die in schulmedizinischer Sicht etwa Scharlach bedeuten, so unterscheiden sie sich doch wesentlich in der großen Menge der individuellen Merkmale, die der Schulmediziner nicht kennt, und müssen deshalb auch, anders als in der Schulmedizin, mit verschiedenen Arzneien behandelt werden.


Das ist nun ganz und gar kein Nachteil, wenn nur eine zu den Symptomen passende Arznei (Simile) existiert und diese gefunden und lege artis angewendet wird. Denn hier ist das Schema von Versuch und Irrtum, wie es die Hochschulmedizin in ihren Doppelblindstudien kennzeichnet, nicht nur unpassend, sondern auch gar nicht notwendig. Man kann auch sagen: Hier ist der Versuch weit vor der Therapie ausgeführt, nämlich schon im homöopathischen Arzneitest. Es besteht also hier keine Unsicherheit, es muß nichts mehr getestet werden, das Medikament muß wirken, das verbürgt die strikte Reproduzierbarkeit der Kybernetik!

Dr. rer. nat. Harald Zycha   |   A-9991 Dölsach   |   info(at)natur-ganzheit-medizin.at   |   Das Buch