Aus Kapitel 1:
Einführung in die Themen und das Anliegen dieses Buches
Was ist Ganzheit? Dieses Wort führt ein schillerndes Dasein in allen Bereichen des Denkens, von der Philosophie über die Naturwissenschaft bis zur Esoterik. Die Frage danach findet die verschiedensten Antworten, je nachdem, worauf man es bezieht: auf die Unversehrtheit eines Gegenstandes, auf die vollständige Aufzählung der Bestandteile und ihres Zusammenhangs in einem Dokument oder einem lebenden Organismus, oder auf die Totalität des ganzen Universums.
Wenn wir die Ganzheit der Natur zu unserem Thema haben, ist jede Aufzählung sinnlos, wir würden nie zu einem Ende kommen, und eine unvollständige Aufzählung würde uns einem Verstehen der Natur keinen Schritt näher bringen. Damit sind wir schon mitten in der Problematik unserer heutigen Naturwissenschaft: Mit ihrem ordnenden Aufzählungsprinzip– es ist, wie wir später sehen werden, die reduktionistische Methode – ermöglicht sie uns zwar eine schrittweise zunehmende Erkenntnis von Details der Natur und auch ihrer (kausalen) Zusammenhänge, aber kein Verstehen ihrer Gründe, ihres Wesens. Wollen wir die Ganzheit der Natur wirklich begreifen, so müssen wir einen anderen Zugang zu ihr suchen.
Als erstes stehen wir aber vor der Frage, ob und wofür wir ein Verständnis der Ganzheit überhaupt benötigen, denn an rein akademischen Spielereien werden nicht viele Menschen interessiert sein. Auf diese Frage muß ich eine äußerst eindringliche Antwort geben: Wir benötigen dieses Verständnis zu einem sinnvollen Umgang mit der Natur und damit, wenn wir die heutige Situation der schon so weit fortgeschrittenen Zerstörung unserer natürlichen Lebensbedingungen betrachten, buchstäblich zu unserem eigenen Überleben! Einen dringenderen Grund kann es wohl nicht geben. Ich kann es schon hier auf den Punkt bringen:
Alle großen, bisher nicht gelösten Probleme der Physik und der ihr bedingungslos folgenden Hochschulmedizin haben im wesentlichen eine gemeinsame Wurzel:
die Nichtbeachtung der ganzheitlichen Schichtung der Natur!
Unter Schichtung ist hier und in allem Folgenden die hierarchisch organisierte vertikale Struktur der Welt zu verstehen, inbezug auf den Menschen ganz grob formuliert etwa die Folge „Elementarteilchen – Atome – Moleküle – Zellen – Organe – Mensch – Familie – Staat – Ökosystem Erde – Sonnensystem – Galaxie usw.“
Unsere Naturwissenschaft kennt das Ganzheitsprinzip nicht, nach dem diese Schichtung organisiert ist. Sie kennt zwar die verbale Formulierung „das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“, aber seine so unendlich tiefgreifende Bedeutung kennt sie nicht, und noch weniger seine Konsequenzen. Deshalb setzt sie sich darüber hinweg und behandelt alle Bereiche der Natur, von den höchsten Ebenen der Galaxien bis zu den untersten der Elementarteilchen, wie ein zufällig zusammengewürfeltes Konglomerat ohne konsequent übergeordnete Strukturen. Sie behandelt alle Dinge nach den immer gleich bleibenden Vorstellungen der in unserer Alltagswelt erworbenen Kenntnisse der klassischen Physik mit ihren sogenannten Naturgesetzen und Naturkonstanten. Nur ein ganzes Arsenal von Hypothesen ist noch dazugekommen, mit denen man die wohl erkannten Schwierigkeiten einer solchen vereinfachten Sicht ausräumen will, ohne jedoch ihre Hintergründe zu verstehen, und dementsprechend ohne Erfolg.
Es ist das einzige große Thema unseres ganzen Buches, dieser unauflösbaren Einheit von Natur und Ganzheit in der Reflexion der menschlichen Erkennnis als Natur-Wissenschaft und Ganzheits-Prinzip Rechnung zu tragen und diese einheitliche Sicht der Entsprechung, die mit dem Beginn unserer heutigen Naturwissenschaft in der Renaissance verlorengegangen ist, wiederherzustellen.
Als ein erstes Kriterium für einen Zugang zum Verständnis der Ganzheit der Natur bietet sich die Frage an: Was ist Leben, wie ist Leben möglich? Hier stößt unsere gegenwärtige offizielle Naturauffassung auf unerbittliche Grenzen. Sie betrachtet unsere Erde und alles was an Gestirnen darüber ist, als tote Materie, und nur mit einer solchen kann ja unsere Physik als ihre Leitwissenschaft umgehen. In den Newtonschen Gesetzen als Grundlage der Physik kommt Leben nicht vor, und in allen weiter entwickelten physikalischen Gesetzen auch nicht. Wie aber soll sich das Leben von Pflanzen, Tieren und Menschen aus der toten Materie entwickelt haben?
Hier besteht ganz offensichtlich ein Bruch im heutigen naturphilosophischen Denken, der im Zusammenhang steht mit unserer Auffassung von einer cartesianischen Spaltung der Welt in eine res extensa (Materie) und eine res cogitans (Geist), die unsere Naturphilosophie seit der Renaissance, seit Galilei und Descartes (daher „cartesianisch“) beherrscht. Die letztere fehlt in unserer heutigen Naturanschauung, und damit ist ein Verständnis von Leben nicht möglich. Man kann zwar einzelne Lebens-Funktionen von Mensch oder Tier mit den Methoden von Physik und Chemie medizinisch-biologisch beschreiben und verändern, aber das eigentliche Wesen des Lebens bleibt im dunkeln, und damit auch das Wesen von Gesundheit, Krankheit und Heilung. Hier liegen die Wurzeln aller großen Probleme unserer heutigen Hochschulmedizin: Sie ist zwar in der Lage, die Lebensfunktionen als solche zu erhalten, und das sogar in höchster technischer Perfektion, aber wirklich heilen kann sie nicht.
Es geht also um die große Aufgabe, diese Spaltung zu überwinden und die Einsicht in die Ganzheit der Natur wieder in unsere Naturwissenschaft zurückzubringen. Wir müssen dazu das Wesen der Ganzheit selbst begreifen, wie es sich in dem bereits seit dem Altertum bekannten und von Aristoteles formulierten Ganzheitsprinzip ausdrückt:
Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.
Den Schlüssel zu seinem Verständnis bildet das kleine Wörtchen „mehr“. Man könnte auchsagen, der Ergründung dieses kleinen Wörtchens ist unser ganzes Buch gewidmet!
Wir finden das Ganzheitsprinzip ausnahmslos gültig in allen Dingen unserer Welt, seien es Menschen, Tiere, Bäume, Flüsse, Häuser, Maschinen, Theorien, Computerprogramme, Bücher oder Musikstücke. Wir sehen das Ganze und sehen seine Teile, doch das „mehr“ sehen wir nicht, wir können es in unserem konventionellen Denken nicht einmal konkret beschreiben, wir können es nur denken. Wenn wir es aber ergründen, werden wir sehen, daß wir damit wieder zum geistigen Urgrund unserer Welt zurückgefunden haben, wie ihn unsere Vorväter im Altertum kannten.
Doch mit diesem Unterfangen stoßen wir auf schier unüberwindliche Schwierigkeiten. Die große Tragik besteht darin, daß diese Schwierigkeiten nicht in der Sache selbst bestehen, sondern darin, es den heutigen Menschen begreiflich zu machen. Seit rund vierhundert Jahren hat sich unsere Naturwissenschaft hoffnungslos festgefahren in einem wissenschaftlichen Materialismus, der das Geistige als Urgrund unserer Welt verleugnet. Das Geistige ist nicht mehr Gegenstand der (Natur-)Wissenschaft, obwohl niemand bezweifelt, daß es Grundlage ihres Denkens ist. Hier haben wir die cartesianische Spaltung in ihrer unmittelbarsten, reinsten Form!
Bevor wir an die eigentliche Arbeit der Ergründung des Ganzheitsprinzips und seiner überaus heilsamen Konsequenzen gehen können, wird also ein großer Teil unseres Buches zunächst darin bestehen, die festgerosteten Blockaden des Denkens aufzubrechen und zu überwinden, indem wir sie uns bewußt machen. Erst das geweckte Problembewußtsein über die Unzulänglichkeiten unserer gegenwärtigen Naturwissenschaft und Medizin wird uns bereit machen, nach Alternativen zu suchen und über das hier vorgestellte ganzheitliche Konzept nachzudenken. In der folgenden Übersicht über die wichtigsten Themen werden wir eine erste Vorstellung von den großen Schwierigkeiten bekommen, mit denen wir hier konfrontiert sind. Und wir werden damit in einen bedrückenden, aber wie ich hoffe, heilsamen Konflikt zwischen dem Glauben an das Gelehrte und dem Verstehen des Wahrgenommenen geraten
1. Überliefertes glauben oder selber denken?
An den Anfang dieser Einführung in die Themen und Probleme unseres Buches möchte ich die konträren Aussagen von zwei der großen Denker der Scholastik stellen. Beiden ist eines gemeinsam: das scholastische Problem der Vermittlung von Wissen. Anselm v. Canterbury (1033 – 1109) vertrat die Auffassung „credo ut intelligam“ (ich glaube um zu verstehen), Abälard (1079 – 1142): „intelligo ut credam“ (ich verstehe um zu glauben). Eigentlich war der letztere ein Ketzer, denn wer nicht glauben will oder kann, was er am Katheder vorgesetzt bekommt, ist dem Orthodoxen suspekt. Was aber gilt in der heutigen Naturwissenschaft und Medizin?
Wenn man die neuere Geschichte unserer Wissenschaft verfolgt, kann man zu der Einsicht kommen, daß sich trotz (zwischenzeitlicher) Aufklärung eigentlich nichts geändert hat: Die Scholastik mit ihrem Zwang zur Unmündigkeit hat uns heute wie ehedem fest im Griff. Man hat als Schüler oder Student das zu akzeptieren, was am Katheder gelehrt wird, und das muß man bei der Prüfung wieder aufsagen, sonst gibt es kein Diplom. Und hat man sich als Student erst einmal an dieses Prinzip gewöhnt und sich damit abgefunden, so hat man für seinen späteren geistigen Weg tatsächlich die Bereitschaft und schließlich auch die Fähigkeit zu eigenem Denken verloren.
Es gilt also nach wie vor das erstere Prinzip „credo ut intelligam“ der eigentlichen Scholastik. So habe auch ich als Student der Physik mich beispielsweise an die Mysterien der Quantenphysik gewöhnen müssen, doch abgefunden habe ich mich nie mit dieser fragwürdigen Physik. Aber wenn wir gerecht sein wollen, müssen wir unterscheiden, um welche Sache oder Glaubensinhalte es geht. In der Theologie wird man sicher dem Glauben Priorität einräumen müssen, in der Naturwissenschaft kann man in Verlegenheit hommen, in der Mathematik jedoch wird die Sache wieder einfach: Hier muß man gar nichts glauben, alles gilt es zu beweisen und zu verstehen.
Wollen wir also, da wir uns hier mit der Naturwissenschaft beschäftigen, als erstes der Frage nachgehen: Was kann man wissen, was glauben? Eine allgemein gültige Antwort ist sicherlich:
- Wissen: Aussagen, die man durch unmittelbare Wahrnehmung nachprüfen kann, von denen man erkennen kann, daß sie so sein müssen, oder Aussagen, die man streng beweisen kann. Wissenschaftlich betrachtet sind die ersteren Axiome im ursprünglichen aristotelischen Sinn als evidente Aussagen, die letzteren alle logischen Schlußfolgerungen aus den ersteren.
- Glauben: Aussagen, die man nicht beweisen kann, von denen man jedoch einsehen kann, daß sie so sein können, aber nicht sein müssen, z.B. wissenschaftliche Hypothesen oder religiöse Glaubensinhalte.
Da aber nun unsere ganze Physik von Anfang an auf Hypothesen aufgebaut ist – ja, Newtons Bewegungsgesetze, mit denen sie begonnen hat, sind Hypothesen! Das hat man zu Newtons Zeiten auch gewußt, aber später vergessen. –, kommt man, wenn man wirklich gewissenhaft und ehrlich sein will, nie aus der oben festgestellten Verlegenheit heraus ...
Als nächstes drängt sich mir eine Überlegung auf, die im Hinblick auf eine thematische Einführung vielleicht etwas zu theoretisch, zu trocken und damit falsch plaziert erscheinen könnte. Doch im folgenden werden wir sehen, daß sie uns die Übersicht über die große Menge von Problemen, mit denen wir uns später eingehender befassen müssen, erleichtert. Es geht um folgende Überlegung: Welche Art von Fragen werden in der heutigen Naturwissen-schaft gestellt? Eine aufschlußreiche Antwort sehe ich in den folgenden Unterscheidungen:
- Wissenschaftlich korrekte Fragen, die innerhalb der geltenden Wissenschaft lösbar sind, aber noch nicht gelöst sind.
- Philosophisch problematische Fragen, die innerhalb der geltenden Wissenschaft prinzipiell nicht zu lösen sind.
- Wissenschaftstheoretisch unsinnige Fragen, die gar nicht gestellt werden dürfen, weil sie schon der bloßen Logik widersprechen.
Die Fragen der ersten Art betreffen alle Probleme innerhalb des vorgegebenen Kontextes einer Wissenschaft, die mit Studien aller Art und Experimenten zu lösen sind. In diesem Rahmen sind alle konventionellen Forschungsprojekte zuhause, hier gibt es außer dem „noch nicht“ keine grundsätzlichen philosophischen oder wissenschaftstheoretischen Probleme.
Zu den Fragen der zweiten Art gehören alle, die über den Rahmen der gegenwärtigen (materialistischen) Naturwissenschaft hinausweisen, wie z.B. das Leib-Seele-Problem, die Frage nach dem Wesen von Krankheit oder nach dem Heilungsprinzip der Homöopathie. Vor allem gehört hierher auch die Problematik des für das Verständnis der Grundlagen der modernen Physik so fundamental wichtigen Youngschen Doppelspalt-Experiments, und damit überhaupt die der Bohrschen Komplementarität von Welle und Teilchen. Wie wir sehen, befinden wir uns mit diesen Fragen schon in der besten Gesellschaft der großen Probleme der heutigen Naturwissenschaft.
Die Fragen der dritten Art sind aber die schlimmsten, denn obwohl sie vielleicht syntaktisch (grammatikalisch) korrekt formuliert sind, ergeben sie keinen Sinn. Man möchte vielleicht meinen, unsere Wissenschaft stellt solche Fragen erst gar nicht, doch weit gefehlt!
„Was war vor der Zeit?“ ist eine solche, und diese führt direkt zum „Urknall“... Ferner gehören dazu alle Experimente der Physik, die von der physikalischen Dimension der ihnen zugrunde liegenden formelmäßigen Zusammenhänge her gar nicht zu der jeweils gewünschten Aussage fähig sind: Fragt man etwa nach dem Ort eines physikalischen Ereignisses, so muß das Meßobjekt eine räumliche Größe enthalten, damit ein solcher Bezug überhaupt möglich ist. Das ist bei der Bornschen Wahrscheinlichkeits-Welle nicht der Fall, alle Schwierigkeiten des quantenmechanischen Meßproblems haben hier ihre Ursache. Und fragt man nach der Geschwindigkeit eines Vorgangs, so muß das Meßobjekt räumliche und zeitliche Größen enthalten, das ist beim Michelson-Versuch nicht der Fall, deshalb kann dieser gar nichts über die Ätherfrage aussagen. – Wie man sieht, befinden wir uns mit solchen hochproblematischen Fragen nun mitten im „Allerheiligsten“ unserer gegenwärtigen Physik!
Die hier angesprochenen Probleme werden dem Laien an dieser Stelle sicher noch keinen besonderen Eindruck machen, weil er sie vielleicht nicht kennt. Er wird vielleicht nicht begreifen, warum man sich darüber Sorgen machen soll. Doch ich werde auf sie schon in der folgenden Übersicht zu sprechen kommen und sie später in den entsprechenden Kapiteln ausführlich behandeln, dann sollte ihre Brisanz einsichtiger werden.
1.1 Notwendiges Problembewußtsein
Ein Mensch, der rundum zufrieden ist, dem nichts abgeht, der also keine Probleme hat, wird keinen Drang nach Veränderung, nach Neuem verspüren. Plenus venter non studet libenter, sagen die Lateiner, übersetzt: Ein satter Bauch strebt nicht gerne weiter. Und was für den einzelnen Menschen gilt, ist ebenso aktuell für eine ganze menschliche Gesellschaft. Es ist jedoch fatal, wenn man gefährliche Entwicklungen nicht sehen will, wenn man den Kopf in den Sand steckt, weil das bequemer ist. Zu schön ist es in der Tat, an die vielen Segnungen des wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Fortschritts zu glauben, an die vielen schönen Versprechen, die man dazu immer wieder von den Vertretern der wissenschaftlichen und politischen Obrigkeit erhält. Dieses Nichtdenken nennt man positiv denken.
Bedeutet also selber denken negativ denken? Wenn man dabei nur ins Nörgeln gerät und sich im Schimpfen verliert, sicherlich. Das ist jedoch nicht die Absicht dieses Buches. Die im wahrsten Sinne heilsamen Konsequenzen, die sich aus der eigenen Erarbeitung eines ganzheitlichen Konzeptes für Naturwissenschaft und Medizin ergeben, möchte ich im höchsten Maße positiv beurteilen!
Für jede solche Arbeit ist jedoch eine Orientierung notwendig, und die kann nur durch das Erkennen von Gegensätzen erfolgen. Wir müssen das einsehen und uns dem stellen, was verändert werden muß, wir müssen also zunächst ein entsprechendes Problembewußtsein entwickeln. Und das ist nur möglich, wenn man die gegebene Situation analysiert. In unserem Falle heißt das, wir müssen das Denken und die Ergebnisse der gegenwärtigen Naturwissenschaft und Medizin kritisch hinterfragen. Ich möchte an dieser Stelle nur auf einige der wichtigsten Probleme hinweisen, denn es geht hier nicht um Vollständigkeit, sondern nur darum aufzuzeigen, daß es im gegenwärtigen naturwissenschaftlichen Denken so manche schwerwiegende Probleme gibt, die unser ganzes bisheriges Denken in Frage stellen.
Beginnen wir mit den ersten Motiven zur Entwicklung unserer Naturwissenschaft: War es im Altertum vielleicht zunächst die bloße Neugier, so ist es später mehr und mehr das Prinzip der Zivilisation, das menschliche Leben auf dieser Erde sicherer und bequemer zu gestalten. Diese läßt sich charakterisieren durch ihre Einstellung zur Natur: Leben die Naturvölker weitestgehend im Einklang mit der Natur, so ist das Interesse der Zivilisation vorwiegend gegen die Natur gerichtet, man möchte den von ihr ausgehenden Gefahren begegnen. Dafür muß man erst ihre Regelmäßigkeiten beobachten, um zu Voraussagen über künftige Ereignisse zu kommen, und danach technische Vorkehrungen entwickeln. Diese Denkweise läßt sich am besten mit dem Motto der positiven Wissenschaft von Comte (1798 -1857) charakterisieren: „Savoir pour prévoir, prévoir pour prévenir“ (Wissen um vorauszusehen, voraussehen um vorzubeugen).
Die Ergebnisse drücken sich in den gefundenen Naturgesetzen aus. Über diese hat man die Möglichkeit erkannt, die Natur zu kopieren und ihr mit künstlich entwickelten Mitteln entgegenzutreten. Von da her ist es nicht mehr weit bis zum Wunsch, die Natur zu beherrschen. Damit stoßen wir auf zwei problematische Denkweisen, die nicht ohne Folgen geblieben sind. Die eine drückt sich in einem feindseligen Verhalten des Menschen gegenüber der Natur aus, die andere darin, daß der Mensch jedes Maß in seinen Aktivitäten verloren hat.
In einem allgemeinen Feindbild betrachtet der Mensch die Natur als etwas ihm feindlich Gegenüberstehendes, das es zu besiegen, zu beherrschen, auszubeuten, ja zu vernichten gelte. Es gilt das Darwinsche Evolutionsprinzip: Konkurrenz statt Kooperation. Nicht nur Physik und Technik zeigen diese Haltung, wie man es vor allem an dem großen Komplex der Rüstung sieht, für den das meiste Geld in die Forschung investiert wird, sondern auch die therapeutische Philosophie der heutigen Hochschulmedizin: Antibiotisches anstatt symbiotisches Denken.
Von folgenschwerer Bedeutung ist der raumzeitliche Rahmen, in dem sich unsere heutige Naturwissenschaft und die ihr unterlegte – um nicht zu sagen: hörige – Philosophie bewegen. Solange sich die Physik im Alltagsbereich abspielte, konnte man sie mit gutem Recht als Erfahrungswissenschaft bezeichnen. Die Gesetze von Kepler, Galilei und Newton wurden aus der direkten menschlichen Erfahrung gewonnen, wobei sich aber schon bei Newton – und das ist für alle spätere Geisteshaltung bezeichnend – die ersten und später überaus folgenschweren Ansätze zu hypothetischem Denken zeigten: die Erklärung physikalischer Zusammenhänge nicht mehr aus der unmittelbaren Erfahrung allein, sondern über Zuhilfename von Hypothesen, d.h. von Vermutungen.
Die heutigen Aussagen über entlegene Raum-Zeit-Bereiche, im Großen wie im Kleinen, haben sich mehr und mehr der unmittelbaren Nachprüfung entzogen. Zwar läßt es sich auch heute kaum ein Physiker nehmen, von Erfahrung zu sprechen, denn er beruft sich nach wie vor auf Beobachtungen. Doch zwischen dem eigentlichen menschlichen Beobachter und dem beobachteten Ereignis befindet sich heute eine ganze Kette von komplizierten Apparaturen, die nur noch einen schwierigen Indizienprozeß gestattet, dessen Ergebnis im Licht vorgefaßter Theorien gedeutet werden muß. Es gilt Einsteins Ausspruch, daß erst die Theorie darüber entscheidet, was man beobachten kann.
Hier hat sich das höchst problematische Prinzip der Extrapolation eingebürgert, das man ohne Bedenken auf alle Naturgesetze und Naturkonstanten anwendet: In allen entferntesten Raum-Zeit-Bereichen werden ihre Formen bzw. ihre Werte als unverändert gültig angenommen, von den zwischen den Objekten außerdem noch waltenden nicht bekannten Zusammenhängen ganz abgesehen. Diese Extrapolation ist durch nichts zu rechtfertigen! Ich sehe darin die Kardinalsünde der ganzen heutigen Naturwissenschaft schlechthin, aus der praktisch alle großen Probleme hervorgehen. Es ist – in einer etwas anderen Formulierung des schon am Anfang gemachten Vorwurfs der Nichtbeachtung der Schichtung der Natur – die
Naivität der Wissenschaftler, ihr Alltagsdenken auf
die ferne Makro- und Mikrowelt zu übertragen.
In diesem unkritischen Alltagsdenken, in dem sich das Weltbild der klassischen Physik einst entwickelt hat, hat man es versäumt, sich mit den wissenschaftstheoretischen Vorbedingungen der Anwendung dieser Wissenschaft auseinanderzusetzen.
So entstand beispielsweise die Fiktion von einem Anfang dieser Welt über einen Urknall, indem man Naturgesetze und Naturkonstanten über Jahrmilliarden als unverändert gültig annimmt und obendrein auch noch glaubt, daß sich alle Materie des Weltalls im Zustand einer so unvorstellbaren Kompression auf die Größe einer Stecknadelspitze in jenem Augenblick auch nach eben jenen Gesetzen verhalten hätte. Ganz abgesehen von der Frage, was eigentlich davor gewesen sein soll.
Dieses Beispiel mag man nun nicht weiter ernst nehmen, denn es wird unser Leben hier und jetzt sicher nicht beeinflussen. Aber man kann eine unabsehbare Kette weiterer Beispiele anführen – und im Verlauf dieses Buches werden wir viele davon kennenlernen –, die schrittweise eine immer größere Bedeutung für unser Leben haben, schließlich für unser gesamtes Überleben.
Da wäre zunächst der ganze Fragenkomplex rund um die Bohrsche Komplementarität von Welle und Teilchen, mit der man, wie eine Reihe wichtigster Experimente zeigen, nicht zurecht kommt, weil man mit den Wellengebilden und den kleinsten materiellen Teilchen unserer Welt so umgehen möchte, wie man es „von früher her“ gewöhnt ist. Man richtet auch hier immer den Blick auf Einzelsysteme, etwa einzelne Elektronen oder Photonen, die uns von unserer Alltagsebene aus – und auf der befindet sich jeder Beobachter mit allen seinen Meßinstrumenten – aber prinzipiellnicht einzeln zugänglich sind, sondern nur in einem unauflösbaren Verbund einer statistischen Gesamtheit. Das kann man in der Quantenphysik nicht einsehen und konstruiert die absonderlichsten Theorien, um die Beibehaltung jener Alltagssicht zu erzwingen und sich damit letzten Endes doch nur selbst zu täuschen.
Wie schon eingangs gesagt, wird unser ganzheitliches Konzept zeigen, daß der Grund dafür darin liegt, daß man in der Physik nichts von der ganzheitlichen Schichtung der Welt weiß. Zu einem solchen Verständnis müßte man erst das Ganzheitsprinzip selbst in allen seinen Konsequenzen verstehen, und das würde über den materialistischen Kontext der Physik hinausführen, was aber der Physik prinzipiell nicht möglich ist. – Hier liegt die Crux aller Probleme der Quantenphysik!
Diese Probleme betreffen jedoch vor allem nur die wissenschaftliche Deutung der Mikrophänomene. Tatsächlich werden alle praktischen Fälle, in denen die Quantenphysik technisch verwertbare Ergebnisse liefert, einschließlich aller erfolgreichen Experimente, im Rahmen einer eher konventionell statistischen Behandlung der Mikroensembles gelöst. Konkret heißt das, daß ihr „Grundwerkzeug“, die Schrödingersche Wellengleichung, niemals in der Bornschen Wahrscheinlichkeitsdeutung, sondern nur in ihrer Deutung als Repräsentant einer unauflösbaren statistischen Gesamtheit von Einzelteilchen funktioniert. Damit liegt die richtige Deutung etwa in der Mitte zwischen Schrödinger und Born: Ihre ursprüngliche Form bezieht sich auf ein „mittleres Einzelteilchen“, das inbezug auf die Gesamtheit eine Pars-pro-toto-Funktion hat.
Im weiteren wird unser Konzept schließlich auch zeigen, daß die Welle-Teilchen-Komplementarität nicht nach der Bohrschen Vorstellung funktioniert: Welle und Teilchen sind nicht komplementär auf der selben Ebene der Schichtung der Natur, sondern die Welle ist immer das auf einer höheren Ebene erscheinende Bild einer Gesamtheit von Teilchen einer tieferen Ebene.
Es ist also insgesamt einzusehen und auch zu würdigen, daß man mit den für jene Bereiche entwickelten Technologien der Mikrominiaturisierung große Erfolge erzielt hat, die heute längst unser privates Wohnzimmerleben verwöhnen, wie etwa Fernseher, Computer und der Strom von Atomreaktoren, doch bestehen hier stellenweise schon ernsthafte Probleme von Deutung und Anwendung, deren Auswirkungen nicht mehr abzuschätzen sind. Das betrifft vor allem unseren Umgang mit der Atomkraft.
Aber dann wird es endgültig ernst! Mit der Anwendung der Mikrophysik und Mikrochemie auf die lebende Natur, auf den Nahrungsmittel- und Pharmabereich, sind wir heute dabei, unsere letzten Lebensgrundlagen zu zerstören. In der Gentechnologie entwickelt sich die Übertragung unserer Alltagsvorstellungen auf die Mikrowelt des lebenden Genoms zum tödlichen Fluch: Die Genforscher wollen ihre modernen Züchtungsvorstellungen damit begründen, daß unsere Vorfahren schon immer „Gentechnologie“ betrieben hätten, indem sie etwa die heute bekannten Getreidesorten und Haustiere durch entsprechende Kreuzungen gezüchtet hätten. Doch genau in dieser Argumentation zeigt sich die ganze oben angesprochene Alltags-Naivität der Wissenschaftler!
Alle früheren Züchtungen erfolgten nämlich ausschließlich auf der natürlichen Alltagsebene: Man kreuzte jeweils ganze Pflanzen und Tiere miteinander, wie es in der Natur auch ohne den Menschen immer geschehen ist, und was daraus wurde, blieb immer der Natur überlassen. Heute aber versucht man derartige „Kreuzungen“ auf der Mikroebene des Genoms. Damit zerstört man den Zellkern und damit die natürliche Kompatibilität aller Lebewesen, wie sie von der Natur in milliardenjähriger Entwickung für ihre jeweilige Funktion als Nahrung und Nahrungsverwerter in feinster Abstimmung aufeinander organisiert worden ist.
Man kann dieses Verhalten unserer Wissenschaft von ihrem Ausgang her etwas begreifen, was sie aber in ihrer Verantwortung natürlich nicht entlastet: Sie hat heute, ebenso wie ich es gerade vorhin für die Physik festgestellt habe, noch keinerlei Einblick in die fundamentale Bedeutung des Ganzheitsprinzips und der durch dieses bedingten Schichtung der Natur, deshalb macht sie inbezug auf die physikochemischen Zusammenhänge auf den verschiedenen Stufen des Ganzen und seiner Teile, so wie die Physik, keinen Unterschied und glaubt alles nach den gleichen kausalen Prinzipien behandeln zu können, die sie auf der obersten Ebene eines ganzen Gebildes unserer Alltagswelt kennengelernt hat. – Hier zeigt sich die für unser Überleben so notwendige Forderung nach der Einsicht in die Ganzheit der Natur, wie ich sie zu Beginn dieser Einführung ausgesprochen habe!
Auf die vielen weiteren besonderen Probleme unserer Naturwissenschaft möchte ich hier nicht eingehen, das würde uns jetzt noch nicht weiterbringen. Soweit sie mir wichtig erscheinen, kommen sie im Innern des Buches zur Sprache.
Im Folgenden möchte ich nun einige der aus meiner Sicht wichtigsten Probleme der Medizin skizzieren. Es sind natürlich, wie nicht anders zu erwarten, ebenfalls Probleme, die man der Naturwissenschaft zuordnen kann, denn unsere ganze Hochschulmedizin beruht zu über neunzig Prozent auf der Naturwissenschaft, sie hat sich ja aus ihr entwickelt, sie nennt sich nicht ohne Grund naturwissenschaftliche Medizin. Gleich am Beginn meiner Betrachtungen muß ich die vielleicht erschütterndste Feststellung machen, wie es sich ein Laie gewiß niemals gedacht hätte:
Unsere Hochschulmedizin weiß bis heute nicht,
was Krankheit und Heilung ihrem Wesen nach sind !
Sie kennt nur eine Unzahl von einzelnen Krankheiten als vom kranken Menschen unterschiedene und getrennte Dinge, denen sie Namen gibt, wie etwa „Masern“ oder „Typhus“. Sie nimmt an, daß der Mensch von ihnen befallen wird wie von Läusen, und daß sie ihm wie jene wieder abzunehmen seien. Sie kennt nur die Symptome von menschlichen Zuständen, die außerhalb der gesunden Norm liegen, und strebt nicht mehr an, als diese Symptome wieder zum Verschwinden zu bringen; das nennt sie Heilung.
Doch die Symptome sind nicht die Krankheit, die eigentliche Krankheit geht ihnen voraus! Die Symptome, die wir sehen, Fieber, Ausschläge, Schmerzen aller Art, sind bereits die Zeichen der vom Körper angestrengten regulativen Selbstheilung, die es mit aller ärztlichen Vorsicht zu unterstützen gilt. Nach der erfolgreichen Heilung verschwinden sie von selbst. Sie mit Gewalt zu unterdrücken, bevor die Heilung eingetreten ist, bedeutet im Gegenteil eine Behinderung der eigentlichen Heilung.
Das alles haben so manche der großen Ärzte der Vergangenheit, wie etwa Hufeland oder Hahnemann, gewußt, weil sie intuitiv Einsicht hatten in die geistigen regulativen Hintergründe von Krankheit und Heilung. Unsere gegenwärtige materialistische Medizin hat diese Einsicht nicht und geht damit genau den verkehrten Weg, mit allen ihn begleitenden Nebenwirkungen! Heute sind wir jedoch, wie wir später erkennen werden, in der Lage, sie uns im Rahmen der ganzheitlichen Kybernetik auf eine solide wissenschaftliche Weise wieder zu erarbeiten.
An dieser Stelle sind jene Zusammenhänge für einen an der traditionellen Hochschulmedizin orientierten Laien sicher noch recht unverständlich, doch müßte ihm zumindest auffallen, daß hier einige sehr wichtige Fragen offen sein könnten, an erster Stelle gewiß die: Wie will eine Medizin, die sich über ihre eigenen Voraussetzungen nicht im klaren ist, der also das eigentliche Fundament fehlt, überhaupt in der Lage sein, wirklich zu heilen?
Als Patient kann der Laie wohl am ehesten ins Grübeln kommen, denn da kann er selbst feststellen, inwieweit er Heilung findet. Aber er wird auch bemerken, daß es um ihn herum immer mehr kranke oder gar behinderte Menschen gibt. Die Zahl der chronischen Erkrankungen nimmt in einem besorgniserregenden Ausmaß zu, und besonders bedrückend ist die Feststellung, daß heute fast die Hälfte aller Krankheiten als iatrogen, d.h. von ärztlicher Behandlung erst verursacht anzunehmen sind. Und er wird feststellen, daß die Krankenkassen von Jahr zu Jahr ihre Leistungen kürzen, daß sie also heute gar nicht mehr in der Lage sind, ein soziales Gesundheitswesen aufrechtzuerhalten. Woher kommt das alles?
Hier möchte ich wieder an die Naturwissenschaft anknüpfen, die ja fast die ausschließliche Grundlage der heutigen Hochschulmedizin bildet. Es ist ihr materialistisches Alltagsdenken in voneinander getrennten Teilen, das auch die Krankheiten als von den Menschen getrennte Dinge sieht, nicht als eine Einheit mit ihnen, wie es einer ganzheitlichen Sicht entsprechen würde. Und schon gar nicht kommt ihr in den Sinn, in der Krankheit auch einen positiven Sinn zu sehen: Alle sogenannten Kinderkrankheiten haben doch, wie jede aufmerksame Mutter weiß, einen Reifeschub des Kindes zur Folge, und auch ein erwachsener Mensch wird durch eine voll durchgestandene Krankheit geläutert. Es kommt heute vielmehr das schon oben angesprochene Feindbild gegenüber der Natur zum Ausdruck: Krankheit sei – was immer man darunter versteht – auszumerzen, nicht in ihrem Prozeß zu unterstützen ...
Das Fundament einer effektiven Medizin wäre die Einsicht in das Wesen von Krankheit und Heilung, in das Wesen der Prozesse, die diesen Vorgängen zugrunde liegen, in das eigentliche Programm des Lebens. Und die kann die gegenwärtige Medizin nicht haben, weil das, wie schon oben gesagt, die Einsicht in die geistige Ganzheit der Welt, die Überwindung der cartesianischen Spaltung voraussetzt.
Bei all dem wollen wir natürlich nicht übersehen, daß uns jede Krankheit auch dem Tod ein Stück näher bringen kann. Aber diese Gefahr kann man durch eine rechtzeitige und naturgemäße Vorbeugung und Behandlung ganz außerordentlich verringern. Und wenn doch der Tod am Bett steht, kann das Kranksein zu einem ethisch-philosophischen Problem werden: Einerseits wissen wir alle, daß jeder einmal sterben muß, andererseits kann man hier auf die tatsächlich vorhandenen positiven Möglichkeiten der heute doch recht ausgereiften Notfallmedizin zurückgreifen. Das hat aber, wie wir später sehen werden, nichts mit Heilung zu tun.
Weil unsere heutige Hochschulmedizin zu einem Verständnis des Wesens der Krankheits- und Heilungsvorgänge keinen Zugang hat, muß sie sich mit Vermutungen begnügen, also in treuer Gefolgschaft zur Physik, die ebenfalls ihre tieferen Grundlagen nicht versteht, sich wie jene auf Hypothesen stützen. Doch hierbei befindet sie sich eigentlich in einer argumentativ ungünstigeren Position als die Physik: In jener lassen sich die Fehler schlechter Hypothesen relativ leicht durch die Aufstellung neuer Hypothesen kaschieren, und der Laie bewundert das sogar noch als großartige Wissenschaft, wie sich dabei (scheinbar!) eins zum andern reimt. In der Medizin jedoch funktioniert das wesentlich schlechter, denn die Fehler der Wissenschaft gehen hier ins Leben ein: Der Patient kann daran, ob er Heilung findet oder nicht, selbst feststellen, wie weit die Hypothesen der Medizin etwas taugen. Grundsätzlich gilt:
Hypothesen mögen gut sein, sich bestimmte Vorgänge der Natur plausibel zu machen, solange man daraus keine folgenschweren Konsequenzen zieht. Aber als Grundlage für das Handeln können sie nie und nimmer dienen, ganz besonders in der Medizin, weil davon das Leben der Patienten betroffen ist!
Einen weiteren wichtigen Problemkomplex bildet das aus der Chemie übernommene Molekularkonzept: Man will alle chemischen und therapeutischen Wirkungen einer Arznei mit der Anwesenheit von Molekülen des betreffenden Stoffes erklären in dem Sinn, daß die einzelnen Moleküle selbst die Wirkung hervorbringen, und sei auch nur ein einziges davon in einer arzneilichen Lösung vorhanden. Dieses Denken wendet man insbesondere auch auf die Kritik an der Homöopathie an: Die Arznei könne nicht wirken, wenn bei einer hohen Verdünnung rein rechnerisch kein einziges Molekül mehr in der Lösung anzunehmen ist. Dieses Problem zieht sich durch die ganze Hochschulmedizin. Niemand kann aber sagen, wie so ein einzelnes Molekül seine Arbeit überhaupt ausführen soll.
Was man an der Astrologie, indem man diese mißversteht, so sehr tadelt, postuliert man hier ganz ungeniert: Für jene spricht man offen aus, daß kein einzelner Planet oder einzelnes Sternzeichen für sich den Charakter oder die Zukunft der Menschen bestimmen könne. Hier soll jedoch jedes einzelne Molekül zu einer entsprechenden Wirkung fähig sein. Zunächst weiß ein guter Astrologe sehr wohl, daß es nicht die Gestirne für sich sind, die hier kausal wirken, sondern daß lediglich eine Korrelation zwischen Gestirnen und Menschen besteht, aus der man gelernt hat, sie so oder so zu deuten.
Diesen von mir angestellten Vergleich kann man allerdings nur dann einsehen, wenn man die Schichtung der Natur versteht: Es besteht eine sehr weitgehende Analogie zwischen den Gestirnen unserer Galaxie und den Molekülen eines chemischen Stoffes. Die großen Forscher am Anfang unserer Naturwissenschaft, wie etwa Paracelsus oder Newton, haben diese Analogie gekannt.
In der Chemie hat man aus der Erfahrung gelernt, einer bestimmten Substanz mit einer für sie typischen Molekularstruktur bestimmte Eigenschaften zuzuordnen. Man konnte sich jedoch dabei niemals auf einzelne Moleküle beziehen, denn die Chemie ist eine Wissenschaft, die es immer mit einer großen Gesamtheit von Molekülen einer bestimmten Art zu tun hat. Lediglich in der Darstellung der stöchiometrischen Zusammenhänge verwendet man eine formelmäßige Schreibweise, in der nur einzelne Moleküle aufscheinen. Diese Darstellung hat nur Modellcharakter, das wissen die Chemiker sehr gut: Niemals würden einzelne Moleküle in dieser Weise miteinander reagieren, wenn sie tatsächlich alleine im Raum wären. – Diese Schreibweise kann einen unkritischen Menschen offenbar in die Irre führen.
Wenn aber die chemischen Eigenschaften tatsächlich erst einer größeren Gesamtheit von Molekülen zukommen, so muß es etwas geben, was diese Gesamtheit von einem einzelnen Molekül dieser Art in der Wirkung unterscheidet. Und was ist das? – Hier sind wir schon wieder an einer Stelle, wo das Ganzheitsprinzip wirkt und man dieses nicht berücksichtigt, weil man es nicht kennt. Aus diesen Andeutungen müßte man eigentlich schon hier erahnen, daß es nicht auf die einzelnen Moleküle selbst ankommt, sondern auf etwas, was zwischen ihnen ist, was sie verbindet. Und wir werden später sehen, daß es genau dieses Etwas ist, was in der Homöopathie wirkt, und nicht nur dort, sondern in aller Medizin überhaupt!
Mit diesen Überlegungen kommen wir schon unmittelbar zu dem nächsten großen Problemkomplex, der Vorstellung von Mikroben (Bakterien usw.) als Erreger von Krankheiten, und damit zu den Theorien der Ansteckung. Man sollte erkennen können, daß es wieder die gleiche Problematik ist wie bei den Molekülen, nur jetzt auf einer nächst höheren Schichtungsebene unserer Welt. Wieder können es nicht einzelne Bakterien für sich sein, was hier wirkt, sondern erst eine große Gemeinschaft von ihnen, und damit das, was sie verbindet, nicht sie selbst. Und diesem Verbindenden hat man längst einen Namen gegeben: Es ist das sogenannte Milieu.
Ein ganz anderes erkenntnistheoretisches Problem ist dabei, daß die Bakterien nicht die eigentliche Krankheit verursachen, sondern bei ihrer Heilung mitwirken, ganz wie ich es vorhin für die Moleküle im Verbund einer Arznei beschrieben habe. Hier kommt zu der konventionellen Vorstellung der Wirkung von Einzelelementen überdies wieder das Unverständnis des Wesens von Krankheit und Heilung dazu.
Wir müssen uns also überlegen, welche Rolle die Mikroben bei einer Krankheit spielen. Sie zu bekämpfen durch Antibiotika (übersetzt: gegen das Leben gerichtete Arzneien) oder gar ausrotten zu wollen durch eine Impfung, werden wir als den absolut verkehrtesten Weg erkennen, wobei beim Impfen noch ganz andere Probleme dazukommen, welche dieses Prinzip zum folgenschwersten Fehlprinzip machen, welches die Menschheit je erlebt hat! Da erhebt sich z.B. die Frage, warum man in den Körper irgendwo hineinstechen muß, um ihm fremde Stoffe zuzuführen, während so etwas seit Anbeginn alles Lebens ausschließlich über Rachen und Haut erfolgte. Ganz abgesehen von der logisch-ethischen Frage, wie man solche Maßnahmen, die bekannterweise schwerste Krankheiten (als Nebenwirkungen) erzeugen können, als Vorbeugung verstehen und rechtfertigen will. Hier wird buchstäblich dem Teufel mit dem Beelzebub „vorgebeugt“!
Und dem allen setzt die Krone auf die Tatsache, daß es gerade zu diesem Zweck wirklich ganz andere, geradezu ideale Maßnahmen gibt, die einer echten, gefahrlosen Vorbeugung dienen und im Falle einer dennoch auftretenden Krankheit bei rechtzeitiger Behandlung auch noch einen weitestgehend sicheren Ausweg bieten, und das alles ohne die geringsten Nebenwirkungen! Eine solche wäre etwa die Urintherapie. Diese hat aber, je nach Interessenlage, leider den bedeutsamen Nachteil: Sie kostet nichts, daran läßt sich nichts verdienen, deshalb unterdrückt man sie mit allen nur erdenklichen Mitteln, und dem Patienten bleibt sie damit vorenthalten ...
Immer wieder spielt die Unkenntnis des ganzheitlichen Zusammenhangs der Welt ihre tragisch-fatale Rolle, und das leider nicht nur bei den Verfechtern dieser Hochschulmedizin allein, sondern sogar auch bei den meisten ihrer Kritiker, die sich damit selbst ihrer besten Argumente begeben.
Nach diesen Ausführungen zur Medizin möchte ich meine Anregungen zur Entwicklung eines heilsamen Problembewußtseins abschließend noch mit einigen kurzen Bemerkungen zu den Problemen der menschlichen Gesellschaft insgesamt ergänzen. Wenn man ganzheitlich denken gelernt hat, wird man leicht erkennen, daß sich viele entsprechende Probleme auf den höheren Ebenen von menschlicher Gesellschaft und Ökosystem wiederfinden. Wir werden das uralte Hermetische Prinzip „wie unten, so oben“ wiederentdecken.
Über das Prinzip des Stoffwechsels und seiner Beeinträchtigung durch die Verschlackung der inneren Lebensbahnen (Darm, Blutgefäße, Zellmembranen usw.) als unmittelbare Ursache von Krankheit eines einzelnen Lebewesens kann man auch die entsprechenden Krankheiten der höheren Systeme verstehen. Was z.B. beim einzelnen menschlichen Organismus die krank machenden Schlacken sind, ist auf den höheren Ebenen der Müll. Dieser erscheint in der Natur als Verschmutzung von Boden, Wasser und Luft, in der menschlichen Umgebung der Städte in seiner unmittlbar sichtbarsten Form der Haushalts- und Fabrikabfälle und in der Verstopfung der Straßen durch die Autos und ihre Abgase, um nur einige dieser Erscheinungen zu nennen.
Wie sich das auswirkt auf den kollektiven Gesundheitszustand der Gesellschaft, läßt sich in der konventionellen materialistischen Weise leider noch weniger leicht verfolgen als bei einem einzelnen Menschen, deshalb nimmt man das hier auch noch weniger ernst. Wir sehen nur die allgemeinen Ergebnisse als Seuchen im weiteren Sinn (Milieu!), d.h. insgesamt im allgemein schlechten Gesundheitszustand der Menschen, einschließlich aller Kriminalität. Das alles müssen wir als Krankheit betrachten, wegen ihrer allgemeinen Erscheinung sogar als Epidemien, ja Pandemien!
Was die tieferen Ursachen betrifft, kann ich es an dieser Stelle nur vage formulieren, wie es für alle wachen Kritiker eigentlich nichts Neues ist: Es ist der durch unsere Zivilisation (s. oben) entfachte Flächenbrand des ungezügelten Fortschrittsdenkens, das zu einem unheilvollen Prinzip geführt hat, das ich als den technologischen Zirkel bezeichne: Man erkennt zwar, daß man mit vielen technischen Entwicklungen neben den anvisierten Zielen auch viele Probleme und Schäden erzeugt hat, aber man glaubt, diese durch weitere Forschungen und Entwicklungen wieder korrigieren zu können. Das ist jedoch nicht der Fall, wie man es ja schon seit vielen Jahrzehnten hätte bemerken können: Jeder weitere Fortschritt erzeugt neue und sogar noch größere Probleme! Diese Vorstellung bedeutet also einen gigantischen Trugschluß, dem letzten Endes unsere ganze Zivilisation überhaupt zum Opfer fallen wird, wenn unsere Verantwortlichen das nicht einsehen wollen! Auf der Grundlage des in diesem Buch darzustellenden kybernetischen Prinzips der Ganzheit läßt es sich sogar wissenschaft-lich beweisen, daß wir diesem tödlichen Teufelskreis niemals auskommen werden, wenn wir so weitermachen.
Leider gibt es noch ein anderes Prinzip, das die hier geforderte Einsicht noch einmal um einiges mehr erschwert: Es ist das kapitalistische Denken, buchstäblich die Vorstellung, daß das Geld auf Bäumen wächst. Wie auch immer man mit den verschiedensten, einander vielfach widersprechenden ökonomischen Theorien sich hier herausreden und dieses Denken rechtfertigen möchte, es ruht letztendlich auf drei Grundpfeilern, von denen einer so morsch ist wie der andere: Erstens Inflation, zweitens Qualitätsminderung von Produkten und Dienstleistungen und drittens Ausbeutung von Menschen und Bodenschätzen. Quartum non datur, ein viertes, gar ethisch besseres Prinzip, gibt es nicht!
1.2 Heilsame Ziele
Die bisherigen Ausführungen klingen gewiß recht entmutigend für jene Menschen, die darüber nachdenken wollen, aber keinen Ausweg sehen, und unglaubwürdig für jene, die nicht selber denken, sondern lieber nach wie vor an die Lehren und die damit verbundenen paradiesischen Versprechungen ihrer wissenschaftlichen Elite glauben.
Wie schon ganz am Anfang gesagt, besteht das tiefste Problem nicht in diesen oder jenen Aussagen selbst, sondern darin, all die Betroffenen und Verantwortlichen unserer gegenwärtigen naturwissenschaftlichen Lehren überhaupt erst einmal zum Denken zu bewegen. Es ist das abgrundtiefe Problem der Scholastik: Credo ut intelligam, oder intelligo ut credam. Mit dem ersteren kommen wir nicht mehr weiter, sonst müssen wir wirklich „dran glauben“. Nur mit dem letzteren können wir noch weiterkommen, indem wir Schritt für Schritt über die vorhandenen Möglichkeiten nachdenken. Wir müssen selber denken und zu verstehen suchen, nicht ewig blind und stur an das schon verwesende Vorgekaute glauben!
Wenn wir wirklich denken wollen, tun sich uns geradezu bisher ungeahnte Möglichkeiten auf. Damit möchte ich jetzt aus dem Kritisieren herauskommen und konstruktiv auf die über das Ganzheitsprinzip zu erschließenden Erkenntnisse eingehen. Es ist sicher leicht einzusehen, daß es hier um so etwas wie eine neue Aufklärung geht, denn „sapere aude!“ (wage deinen eigenen Verstand zu gebrauchen!) hieß der Kantsche Leitspruch der zu seiner Zeit so genannten Aufklärung, und das ist, wie man sieht, auch genau unsere heutige Forderung!
An dieser Stelle möchte ich nur andeutungsweise den von uns einzuschlagenden Weg skizzieren und einige der wichtigsten Bedingungen und Themen eines „neuen Denkens“ der Ganzheit aufzeigen, die in den späteren Kapiteln ausführlich behandelt werden. Als erstes muß ich hier auf die Bedingung einer – wie ich es nennen möchte – Pragmatischen Ontologie eingehen. Das bedeutet, wir dürfen die Welt der Physik und Medizin nicht mit solchen Augen betrachten, die nach einem unabhängig von uns existierenden (objektiven) Sein suchen, sondern wir müssen die Welt so sehen und beschreiben, wie wir sie praktisch (pragmatisch) erfahren können, wie sie auf uns wirkt. Nur eine solche Lehre des Seins (Ontologie) mit zunächst bescheideneren Ansprüchen kann uns letztendlich auch zu einer wirklich sicheren, heilsamen Medizin ohne Nebenwirkungen führen, die ja – nach einem Verständnis der Grundprobleme der Physik als ihre Voraussetzung – das eigentliche letzte Hauptziel unseres ganzen Buches ist.
Der erstere Weg ist der aller bisherigen Naturwissenschaft, die Suche nach einer Erkenntnis des absoluten Seins, die niemals Erfolg haben kann, weil uns dieses Sein, das sogenannte „Kantsche Ding an sich“, niemals wirklich zugänglich ist. Man meint zwar, diesem absoluten Sein über vielleicht naheliegend erscheinende Vermutungen schrittweise immer etwas näher zu kommen, das heißt durch die Aufstellung von Hypothesen, doch auch das ist schon eine bloße Illusion, denn wir haben – anders als etwa in der Mathematik – für eine solche Konvergenz kein Kriterium; das ist immerhin seit dem Altertum (Xenophanes) bekannt. Folgerichtig führt dieses Denken, wie alle neuere Wissenschaftsgeschichte zeigt, dazu, daß die verwendeten Hypothesen immer wieder geändert oder – was einen besseren Eindruck macht – durch zusätzliche neue Hypothesen ergänzt werden müssen, welche die Fehler der alten korrigieren oder überhaupt nur kaschieren. Ja wir werden sogar sehen, daß alle derartigen Hypothesen schon den Irrtum in sich tragen, weil sie auf einem falschen Denken beruhen. Darin liegt die große Unsicherheit dieser Naturwissenschaft und der ihr folgenden Hochschulmedizin, wie ich es oben beschrieben habe, und daher kommen auch alle sogenannten Nebenwirkungen der medizinischen Therapien.
Wir müssen das bedenken: Was man sicher erkennen kann, dafür benötigt man keine Hypothesen. Oder anders ausgedrückt: Hypothesen werden dadurch nötig, daß man in die Erscheinungen der Natur mehr hineindeuten will, als man aus ihnen herauslesen kann.
Unsere pragmatische Ontologie hat bescheidenere Ziele und wird damit wesentlich mehr erreichen. Sie beschäftigt sich nur mit dem, was wir über die Erfahrung direkt erkennen oder aus ihr beweisen können, ohne hypothetische Deutungen zu versuchen. Für sie ist das Wirken maßgebend, nicht das Sein. Wir sagen beispielsweise, eine bestimmte Pflanze wirkt (unter bestimmten Bedingungen) giftig, nicht: sie ist giftig. Diese Unterscheidung kannte schon der alte Demokrit, und Paracelsus hat sie sogar explizit formuliert. Unter anderen Bedingungen kann nämlich die giftigste Pflanze heilsam sein.
Das bedeutet: Wir ziehen uns zurück auf das, was auf uns wirkt; nur das ist es, was wir wirklich erkennen können, und nur damit werden wir allen Zwang zu unsicheren Hypothesen los. Wir werden sehen, daß wir auf diese Weise einen Zugang zu einem echten Verständnis des Ganzheitsprinzips finden können, und zu einer sicheren Naturwissenschaft und Medizin, zu einer echten Heilkunde ohne Nebenwirkungen.
Als das für unsere Zwecke einzig geeignete Werkzeug wird sich die Kybernetik erweisen. Und diese erscheint buchstäblich wie für unser Konzept der pragmatischen Ontologie eigens geschaffen, sie arbeitet unter genau den gleichen Bedingungen, sie könnte es gar nicht anders, auf der Grundlage unserer bisherigen hypothetischen Naturwissenschaft wäre sie geradezu verloren. Mit einem vollständigen Wissen der Dinge, wie es die letztere anstrebt, könnte sie nicht arbeiten, und mit Hypothesen schon gar nicht. Sie lebt von den unbekannten Störgrößen, deren Wirkungen sie korrigiert, ohne ihre Hintergründe zu kennen oder auch nur nach ihnen zu fragen – eine für unsere bisherige Naturwissenschaft undenkbare Vorstellung!
Für die Kybernetik sind alle Dinge jeweils eine Black box, mit deren äußerem Wirken sie sich begnügt, und mit deren unbekanntem Innenleben sie sich von vornherein abfindet. Deswegen benötigt sie niemals Hypothesen, denn für das, was man sieht, braucht man sie nicht. Die Kybernetik ist damit für unser Konzept das maßgeschneiderte Wunderwerkzeug schlechthin!
Vielleicht möchte manch einer fragen, warum ein solches Konzept einer in sich konsistenten ganzheitlichen Naturbeschreibung und Medizin nicht schon früher formuliert worden ist. Die Antwort ist einfach: Die Kybernetik selbst ist als wissenschaftlich formulierbares Prinzip erst vor rund fünfzig Jahren entstanden. Die Einsichten, die sie uns vermittelt, sind jedoch tatsächlich schon uralt: Die ganzheitliche Schichtung der Natur ist schon in den vorgriechischen hermetischen Schriften („wie oben, so unten ...“) erwähnt, die Kybernetik der Natur indirekt bei Heraklit angesprochen, die der Medizin recht direkt bei Alkmaion von Kroton.
Das Problem für die heutige Wissenschaft ist nur das: Diese zum Teil großartigen Einsichten der Alten hatten intuitive Wurzeln und wurden in einer entsprechend blumigen Sprache ausgedrückt, sie konnten nicht nach heutigen Maßstäben rational begründet werden. Das wird zwar nun anders, aber wann es die neue rationale Sprache der Kybernetik schaffen wird, die heutige Wissenschaft zu überzeugen, die sich so selbstherrlich „rational“ nennt, aber längst vergessen hat, daß ihre eigene Ratio (Verstand) das Geistige in der Welt voraussetzt, ohne welches, wie wir sehen werden, auch keine Kybernetik funktionieren kann, das steht zur Zeit leider immer noch in den Sternen. Zu viel an festgefahrenen Dogmen (und Hypothesen!) müßte unsere alles Geistige verleugnende materialistische Naturwissenschaft aufgeben.
Aber setzen wir einmal voraus, daß es der Kybernetik doch irgendwann gelingen wird, sich in Naturwissenschaft und Medizin durchzusetzen, dann können wir uns überaus segensreiche Lösungen für die meisten der heute so unlösbar erscheinenden Probleme dieser Wissenschaften erwarten, und damit auch für die von deren Irrtümern so sehr geplagte Natur und die menschliche Gesellschaft, von den Haushaltsbudgets ihrer sozialen Institutionen ganz zu schweigen ...
An erster und ganz zentraler Stelle steht unsere Beschäftigung mit dem schon oben formulierten Ganzheitsprinzip. Untersucht man die Schichtung der Natur, in der jedes höhere System mehr ist als die bloße Summe seiner Teile, ein Baum z.B. mehr als ein bloßer Haufen von Zweigen und Blättern, so läßt sich erkennen und heute in aller rationalen Strenge beweisen, daß dieses kleine Wörtchen „mehr“ nur geistig zu verstehen ist; man kann es niemals mit den quantitativ-mathematischen Methoden der Physik beschreiben.
Alle Dinge der Natur hängen über einen nicht von Raum und Zeit beschränkten vertikalen Informationsstrom zusammen, der alles einschließt, von den untersten Elementarteilchen der Physik bis zu den höchsten Galaxien der Astronomie. Mit den Methoden der Physik können wir nur winzigste horizontale Streifen eines lateralen Informationsstromes sicher erfassen, die kaum über die Schichtenebene unserer Alltagswelt hinausreichen. Soweit die Physik in die alltagsfernen Makro- und Mikroebenen vordringt, täuscht sie sich über diese Beschränkung mit ihrenproblematischen Hypothesen hinweg.
Nach der Erarbeitung unseres kybernetischen Konzeptes der Ganzheit werden wir erkennen, daß in dieser Problematik alle heutigen schweren Probleme der Physik ihre Ursachen haben. Ich möchte das in der generellen, gewiß äußerst schwerwiegenden Feststellung zusammenfassen:
Unsere gegenwärtige Physik ist prinzipiell unvollständig!
Das bedeutet: Man kann forschen so viel und so lange man will, man wird die Natur niemals ganz erfassen. Und das liegt also nicht an einem etwa alles menschliche Maß übersteigenden Zeit- oder Materialaufwand, sondern schon am Prinzip, alles quantitativ materiell erfassen zu wollen. Es fehlt dieser Wissenschaft der Einblick in die geistigen Hintergründe unserer Welt, sie kann damit von ihr unvergleichlich weniger erfassen als auch nur die sprichwörtliche Spitze eines Eisberges im Meer.
Damit ist es unserer gegenwärtigen Naturwissenschaft und auch der ihr folgenden Hochschul-medizin prinzipiell nicht möglich, die (kybernetischen) Prinzipien des Lebens zu verstehen, den Stoffwechsel und das Wesen von Krankheit und Heilung, und schon gar nicht das Prinzip der Homöopathie. Wenn also etwa die meisten Homöopathen heute immer noch die wissen-schaftliche Begründung ihrer Heilkunde aus den Reihen der Physik erwarten, werden sie bis ans Ende ihrer Tage warten. In diesem Handicap der Physik kann man auch den tieferen Grund dafür erkennen, daß unsere Medizin derartigen Fragen nach dem Wesen der Dinge notorisch ausweicht, sie kann ja gar nicht anders. Über die ganzheitliche Kybernetik werden wir jedoch diese Fragen beantworten können und damit zu einer effektiven Heilkunde finden.
In dieser Unvollständigkeit der Physik finden wir die Ursachen der großen Probleme der Mikrophysik, wie etwa des Youngschen Doppelspaltversuches. Die Bohrsche Komplementarität wird sich als ganzheitliches Schichtenproblem erweisen: Welle und Teilchen sind nicht Dinge auf derselben Schichtebene, sondern die Welle erweist sich als das auf einer höheren Ebene befindliche Bild einer Gesamtheit von Teilchen einer niedereren Ebene. Die Ursachen des quantenmechanischen Meßproblems sollten allerdings schon innerhalb der konventio-nellen Physik erkennbar sein, denn sie liegen, wie schon gesagt, in der fehlenden physikali-schen Dimension der zu messenden Größen.
Ich finde es sehr beeindruckend, wie präsise schon vor zweihundert Jahren unser großer naturforschende Dichter Goethe diese Probleme der Physik gesehen und formuliert hat! Damals mußte man wohl über geradezu visionäre Fähigkeiten verfügen, um das zu erkennen, was sich heute im Licht einer ganzheitlichen Kybernetik erklären läßt. Ich habe deshalb unserem dichtenden ganzheitlichen Naturforscher in diesem Buch ein eigenes Kapitel gewidmet.
Geht es in der Quantenphysik mehr um die Fragen einer Deutung der Phänomene, weil die technischen Anwendungen ja bereits ohne ein letztes Verständnis derselben funktionieren, so wirken sich die Verständnisprobleme in der Medizin jedoch auf die Praxis der Therapien aus, also darauf, ob die Menschen Heilung finden oder nicht. Hier geht es um das unmittelbare Leben. Deshalb ist es auch mein besonderes Bestreben, die von der Kybernetik gebotenen Problemlösungen hier möglichst gründlich herauszuarbeiten.
Das erste Interesse muß hierbei der Klärung des Krankheitsbegriffes gelten, um überhaupt zu wissen, womit man es bei einem kranken Menschen oder Tier zu tun hat. Diese Frage müßte doch – so wird es sicher jeder Laie annehmen – für jeden Mediziner an der ersten Stelle stehen. Daß dies jedoch nicht der Fall ist, müssen wir nicht unbedingt einem entsprechenden Desinteresse zuschreiben, sondern vielmehr dem Umstand, daß unsere materialistische Hochschulmedizin zur Beantwortung dieser Frage keinen Zugang hat. Jeder derartige Versuch scheitert an der Mauer der Blockade gegenüber dem unverstandenen und verleugneten Geistigen.
Die ganzheitliche Kybernetik eröffnet uns den Zugang zu diesem Bereich, wenn man nur zur Kenntnis nehmen will, daß diese selbst als informationsverarbeitendes Prinzip das Geistige voraussetzt: Information ist Geist.
Der Weg zu einem Verständnis des Wesens von Krankheit und Heilung führt über das Verständnis des lebendigen Stoffwechsels. Konventionell versteht man unter letzterem nur die Umsätze der materiellen Bestandteile der Nahrung jeweils auf den einzelnen Ebenen des Organismus für sich. Untersucht wird hierbei etwa, welche chemischen Umsätze im Magen erfolgen und welche an den Zellmembranen. Wie aber die eigentlichen Prozesse verlaufen, welche die Lebensstoffe über den Magen bis in die Zellorganellen bringen, das kann man in der konventionellen Weise niemals erkennen, und zwar prinzipiell niemals, denn diese Prozesse laufen über den vertikalen geistigen Informationsstrom, und dieser ist nur der Kybernetik zugänglich.
Dieser Zugang sieht jedoch gänzlich anders aus, als man es von der konventionellen Wissenschaftsauffassung her gewöhnt ist. Was die theoretischen Einsichten betrifft, also die wissenschaftliche Sicht, so vermittelt die ganzheitliche Kybernetik nur ein Verständnis qualitativer Art von wirkenden Prinzipien, welche die Erfahrung des Menschen leiten. Die konkreten quantitativen Daten einer Anwendung gewinnt man sodann aus der praktischen Erfahrung selbst. Das liegt daran, daß die Kybernetik das Prinzip der Erfahrung ausdrückt, nicht die konkreten Dinge der Erfahrung selbst.
Am Stoffwechsel möchte ich das jetzt – hier nur andeutungsweise – demonstrieren. Die über den Mund aufgenommene Nahrung muß, indem ihre Bestandteile die Schichtung des aufnehmenden Organismus hinab bis zu den untersten Ebenen vordringen sollen, zerlegt, also Schicht für Schicht aufgeschlossen werden, und das verlangt als kybernetischer Prozeß Information, die durch den Aufschließungsprozeß aus der Nahrung selbst gewonnen wird. Es läuft hierbei eine unübersehbare Kette von Entscheidungen ab, wie jeweils der nächste Schritt erfolgen soll, und dafür werden die Informationen benötigt.
Als erstes müssen wir fragen: Was ist der Sinn dieser kybernetischen Prozesse? Hierauf die wohl nächstliegende Antwort: Erhaltung von Leben und Gesundheit. Krankheit kann also nur bedeuten, daß diese Prozesse fehlerhaft ablaufen. Nächste Frage: Wie äußern sich diese Prozesse? Antwort: In der äußeren Erscheinung und dem Verhalten des Lebewesens. Soweit das qualitative Prinzip.
Die konkrete quantitative Ausführung betrifft jetzt Art und Menge der Nahrung, die an den aufnehmenden Organismus angepaßt sein soll. Paßt diese nicht, so können die Aufschließungsschritte nicht richtig erfolgen, es bilden sich Schlacken und Blockaden, die einen anderen Verlauf der kybernetischen Prozesse zur Folge haben, eine Umstellung der Regulation, mit einer anderen Erscheinung (Ausschlag, Fieber, usw.) und einem anderen Verhalten. Das bezeichnet man konventionell als Krankheit. Hier schimmert schon die Weisheit der antiken Ärzte durch, das Wissen um die Diätetik, die gesunde maßvolle Lebensweise.
Mit diesem Beispiel aus der Kybernetik haben wir aber auch schon ein erstes Verständnis vom Wesen der Krankheit erhalten: Das, was man konventionell als Krankheit bezeichnet, die äußere Erscheinung der Symptome, ist nie und nimmer die Krankheit selbst, sondern schon das vorübergehende Resultat der vom Körper angestrengten regulativen Selbstheilung! Die eigentliche Krankheit besteht in den Blockaden, die den Anlaß zur Umstellung der Regulation gegeben haben, deren Ausdruck die Symptome sind, die nach erfolgreicher Heilung auch wieder verschwinden. Wollen wir zunächst die konventionelle Bedeutung des Wortes „Krankheit“ beibehalten, so erhalten wir die provokative Formel:
Krankheit = Heilung
Diese Aussage bedeutet verständlicherweise für die gegenwärtige Hochschulmedizin eine unerhörte Herausforderung, denn diese hat ihre ganze medizinische Philosophie auf einer strikten Trennung dieser zwei Begriffe aufgebaut, die im Grunde doch das gleiche bedeuten, wie es eben diese Formel ausdrückt. Wie wir später sehen werden, liegt das eigentliche Problem hierbei sogar noch wesentlich tiefer, nämlich in unserer menschlichen Begriffsbildung überhaupt. Hier möchte ich mich nur mit der Feststellung begnügen, daß unsere Hochschulmedizin auf der Basis ihrer hier aufgezeigten konkreten Vorstellungen nicht wirklich heilen kann: Wenn sie alle ihre Therapien und (antibiotischen) Medikamente auf eine Vernichtung der Symptome ausrichtet, unterdrückt sie die eigentliche Heilung!
Freilich scheint ihr oft der äußerliche Erfolg zunächst recht zu geben, denn der Patient fühlt sich danach tatsächlich wohler. Doch die Krankheit ist damit nicht geheilt, die Symptome kommen wieder, und oft in einer anderen Form, weil die Krankheit verschoben wird; das nennt man dann Nebenwirkungen. Alle Erfahrung zeigt das, und insbesondere auch, daß viele Infektionskrankheiten, die früher zu einer lebenslangen Immunität geführt haben, wie z.B. Scharlach oder Masern, nach den heutigen suppressiven antibiotischen Therapien immer wiederkehren.
Und die Verwirrung wird vollkommen, wenn man in einem Notfall mit solchen Maßnahmen tatsächlich Leben retten kann und sich der Patient danach erholt. Wir werden erkennen und kybernetisch begründen, daß jeder lebende Organismus ohne Ausnahme immer auf eine regulative Selbstheilung ausgerichtet ist, das ist sein ganzer „Lebensinhalt“! Und die entsprechenden Regulationsprozesse laufen bei jeder Belastung, gleichgültig, mit welcher Absicht ein menschlicher Eingriff erfolgt, ob zum Schaden oder zur Heilung; anders könnte die Natur nicht bestehen.
Das bedeutet, daß eine Maßnahme der Notfallmedizin im kranken Organismus zwar nicht Heilung, aber vorübergehende Entlastung schafft und dieser sich danach selber weiterhelfen kann, wenn man ihm dazu Gelegenheit gibt. Das bedeutet demgemäß aber auch eine ernste Aufforderung zu einer heilsamen Komplementarität zwischen der Hochschulmedizin mit ihren lebensrettenden Methoden als Notfallmedizin und einer die natürliche Regulation des kranken Organismus unterstützenden Erfahrungsheilkunde der Natur!
Auf die letztere möchte ich jetzt eingehen. Es fällt auf, daß im Gegensatz zur Hochschulmedizin, die sich weltweit auf eine einheitliche Ideologie stützen kann, nämlich die der Naturwissenschaft, die verschiedenen Zweige der Natur- oder Erfahrungsheilkunde keine einheitliche ideologische Basis besitzen, sie sind weitgehend zersplittert. Unter ihren Vertretern ist demgemäß eine besondere Neigung zur Monomanie festzustellen: Jeder will nur sein Konzept gelten lassen. Das ist nach meiner Meinung der wesentliche Grund dafür, daß die Naturheilkunde gegenüber der Hochschulmedizin eine so schwache argumentative Position hat. Ihren Vertretern ist offenbar die gemeinsame Wurzel ihrer Therapien nicht bewußt. Diese liefert jetzt unser kybernetisches Konzept der Ganzheit: Mit unserem Konzept sind wir in der Lage, eine
einheitliche ganzheitlich-kybernetische Medizin
zu begründen, die für alle naturgemäßen, nebenwirkungsfreien Heilmethoden eine gemeinsame wissenschaftliche Basis bildet. Das betrifft alle Therapien der Erfahrungsheilkunde, denn die Kybernetik ist ja selbst das Prinzip der Erfahrung.
Als erstes muß ich hier die Homöopathie anführen, denn in ihr kommt das kybernetische Prinzip der Heilung am unmittelbarsten zum Ausdruck, sie stellt sozusagen das Paradigma für alle anderen Therapien der Erfahrungsheilkunde. Vor fast fünfzehn Jahren habe ich auf dieser ganzheitlichen Basis bereits die wissenschaftliche Begründung der Homöopathie geliefert. Daß diese Begründung jedoch, allen immer schwereren Problemen im Gesundheitswesen zum Trotz, bis heute nicht allgemein zur Kenntnis genommen wird, dafür habe ich oben schon die wesentlichen Gründe genannt: Es ist vor allem die allgemeine Blockade unserer materialistischen Naturwissenschaft gegenüber dem Geistigen, das auch die Grundlage der Kybernetik bildet. Ihrer fundamentalen Bedeutung gemäß werde ich in diesem Buch, dem letzten Stand der Erkenntnisse entsprechend, in Kapitel 18 ausführlich auf sie eingehen.
Die Homöopathie folgt genau dem oben beschriebenen Stoffwechselprinzip. Über ihr Simileprinzip ahmt sie den pathologischen Verschlackungsprozeß nach, durch den der katabole (abbauende) Verwertungsprozeß der Nahrung mit seiner schrittweisen Informationsgewinnung stecken geblieben ist. Es zeigt sich, daß dieser Abbauprozeß als Potenzierungsprozeß im Sinne der Homöopathie zu verstehen ist. Über die homöopathische Anamnese (Beobachtung und Befragung des Patienten) wird eine entsprechende Arznei ermittelt, welche möglichst genau das gleiche Symptomenbild ergibt. Die Potenzierung (schrittweise Verdünnung) dieser Arznei simuliert den natürlichen Abbauprozeß und liefert dem kranken Organismus die fehlende Information für die Fortsetzung des Stoffwechselprozesses. Und es zeigt sich, daß bei dieser Fortsetzung, etwa im Sinne der Freilegung eines Staus in einem Fluß, die entsprechenden Symptome – als Symptome der Heilung, nicht der Krankheit! – verstärkt werden, was man als homöopathische Erstreaktion (Erstverschlimmerung) bezeichnet, um danach, als Zeichen der erfolgreichen Heilung, ganz zu verschwinden. Das ist Heilung!
Es läßt sich zeigen, daß alle Therapien der Naturheilkunde dem gleichen Prinzip folgen: Sie alle unterstützen das, was die Hochschulmedizin als Krankheit bekämpft, im Sinne der Heilung. Kann es einen größeren Unterschied in der medizinischen Philosophie geben?
Die strengste Form der Homöopathie ist die Isopathie: Heilung nicht nur mit Ähnlichem (Simile), sondern mit Gleichem. Hat etwa ein Kind eine Tollkirschenvergiftung, so ist das angezeigte Mittel ein entsprechend verdünntes Extrakt aus der Tollkirsche. Der Körper schafft sich jedoch oftmals isopathische Mittel selbst, in Form von krankheitstypischen Absonderungen wie z.B. Eiter oder Schleim. Diese als Autonosoden bezeichneten Stoffe werden homöopathisch aufbereitet dem Patienten als Arznei gegeben.
Die reinste Form eines solchen Therapeutikums bildet der eigene Urin. Wenn man die Prozesse der Nieren verfolgt, kann man feststellen, daß diese in unmittelbarster Form den homöopathischen Potenzierungsprozeß ausführen. Oder umgekehrt: Der homöopathische Potenzierungsprozeß simuliert auf präzise Weise die natürlichen Prozesse der Nieren. Daraus folgt, daß der aus dem eigenen Blut gewonnene (und schon deshalb gar nicht giftige, wie oft behauptet wird) Urin die auf den jeweiligen Gesundheitszustand des Körpers zu jeder Zeit bestangepaßte Arznei darstellt, die überhaupt denkbar ist – und zugleich auch die billigste!
Und da der eigene Urin zu jeder Zeit das für alle Krankheits-Entwicklungen maßgebende innere Milieu des Körpers widerspiegelt, hilft er nicht nur zur Heilung einer schon ausgebrochenen Krankheit, sondern in höchster Vollendung auch zur Vorbeugung. Dafür gibt es keine einzige denkbare andere, auch nur im geringsten vergleichbare arzneiliche Methode!
Die seit Menschengedenken in allen Erdteilen bekannte und sehr oft mit überwältigenden Erfolgen angewandte Urintherapie hat mit der in diesem Buch mitgeteilten wissenschaftlichen Begründung der Homöopathie auch ihre eigene Begründung gefunden. Der Laie wird sicher fragen: Wenn das so ein grandioses Wundermittel ist, warum ist es dann nicht zur allgemein anerkannten Standardtherapie geworden? Doch wer so fragt, weiß nichts von den übermächtigen kommerziellen Interessen der Medizinindustrie und der schon oben angesprochenen Fragwürdigkeit des heutigen Theoriengebäudes der Hochschulmedizin, hinter dem sich diese Interessen verbergen. Was kann man denn an der Urintherapie verdienen?
All dem gegenüber bietet unsere heutige offizielle Medizin gerade zur Vorbeugung gegen Infektionskrankheiten eine in ihrer Gegensätzlichkeit zur Urintherapie nicht zu überbietende Methode an, die an Irrtümern und damit verbundener Unwirksamkeit einerseits und Gefährlichkeit andererseits buchstäblich ihresgleichen sucht: das Prinzip des Impfens. Auf diese schwerwiegende Problematik muß ich hier am Schluß meiner einführenden medizinischen Betrachtungen noch eingehen.
Wie schon oben gesagt, bekämpft die Hochschulmedizin die Symptome der Heilung als Krankheit. Der gleichen Sicht folgt ihre Philosophie des Impfens in der Absicht der Vorbeugung. Da aber bei der Vorbeugung am noch Gesunden keine derartigen Symptome vorhanden sind und das innere Milieu – anders als beim Urin – nicht bekannt ist, gilt hierfür ein anderes Kriterium: Die Mikroben (Bakterien usw.), die bei jeder infektiösen Krankheit in einer krankheitstypischen Form nachweisbar sind, werden als Erreger der Krankheit betrachtet, und die Impfung soll den Körper vorbeugend in die Lage versetzen, solche „Erreger“ abzutöten oder erst gar nicht zuzulassen. Als „Beweis“ eines Erfolges der Impfung gilt lediglich der Nachweis von entsprechenden Antikörpern, die für diese Abwehrstrategie zuständig sein sollen. Ein direkter Nachweis eines Erfolges in der Weise, daß durch die Impfung eine bestimmte Krankheit verhindert worden ist, ist allein schon aus logischen Gründen prinzipiell unmöglich ...
Diese Vorstellungen sind ein ganzes Konglomerat von Irrtümern. Allem voran das Nichtverstehen des Wesens von Krankheit und damit das Bestreben, die Zeichen einer etwaigen Heilung zu unterdrücken. Zweitens die Annahme, die Mikroben seien als die Erreger einer so verstandenen „Krankheit“ schädlich und daher zu vernichten, enthält gleich einen doppelten Irrtum, denn sie treten erst in der über die sichtbaren Symptome erkennbaren Heilungsphase auf und sind daher vielmehr als Helfer der Heilung zu betrachten, die sich erst im Laufe der eigentlichen Krankheit im Körper bilden, also nicht von außen angeflogen kommen; sie sind also ein Bestandteil der Heilungssymptome. Drittens bedeutet das Auftreten von sogenannten Antikörpern, deren Bildung man im Gegensatz zu den ersteren ganz selbstverständlich innerhalb des Körpers annimmt, nicht mehr als daß ein äußerer Eingriff stattgefunden hat. Daraus auf deren Abwehrfunktion zu schließen, ist nur eine fragwürdige Hypothese mehr als schon die anderen Vorstellungen.
Schließlich der folgenschwerste Irrtum: Mit der parenteralen Medikation, dem Einspritzen von körperfremden Stoffen in das Innere eines lebenden Organismus, mißachtet man einmal mehr die schon mehrfach angesprochene ganzheitliche Schichtung der Natur und damit das unendlich feingewebte Netz von Kontrollinstanzen des Stoffwechsels, wie es die oben beschriebene Kybernetik desselben verlangt: Damit hebelt man das Immunsystem aus und schädigt es, ganz im Gegenteil zu allen Beteuerungen, es zu stärken!
Hier offenbart sich am auffälligsten die einseitige Philosophie der Hochschulmedizin als Notfallmedizin: Was man in langjähriger Forschung über Experimente als therapeutisch nützliche Wirkungen erfahren hat, bewährt sich durchaus als lebensrettende Maßnahmen. In diesem Falle spielen all die problematischen Nebenwirkungen tatsächlich eine untergeordnete Rolle, denn die Erhaltung des Lebens wiegt meistens mehr als die eigentliche Gesundheit. Vorbeugung am Gesunden hat jedoch absolut nichts mit Notfallmedizin zu tun, da müssen unbedingt andere Spielregeln gelten, die nicht erst noch zusätzliche Krankheitsrisiken mit sich bringen, so wie ich es oben dargelegt habe! Damit habe ich einmal mehr die Forderung nach einer
Komplementarität von Hochulmedizin und Naturheilkunde
angesprochen: Sollen all die positiven Ergebnisse der neuzeitlichen Naturwissenschaften, die ja im Sinne der Zivilisation durchaus vorhanden sind, einen Nutzen haben, so dürfen sie nicht durch die negativen Ergebnisse ihrer Irrtümer zunichte gemacht werden! Hier bietet sich auf der Basis einer deutlichen Unterscheidung zwischen lebensrettender Notfallmedizin und Heilung bringender Erfahrungs- oder Naturheilkunde die Gelegenheit zu einer für beide Seiten heilsamen Komplementarität.
